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Surf around the World

Surf around the World

Jul 13

Hotels sind im Grunde ja auch nur gut ausgestattete Gefängnisse. Abgeschottet von der rauen Wirklichkeit des besuchten Landes, wird dir da eine Art von Leben vorgegaukelt, welches es im Grunde gar nicht gibt. Man isst nicht wie die Einheimischen, man schläft nicht wie sie, man scheißt auch nicht wie sie. Was am Ende bleibt ist vielleicht ein Blick von oben herab, aber kaum tief hinein in die Seele eines Landes und der Menschen, die dort wohnen. Couchsurfing hat das Reisen revolutioniert, nicht nur im Hinblick auf die Kostenersparnis. Man kann Freunde finden, überall auf der Welt.

So jung, so viel Fernweh und so viel gähnende Leere auf dem Konto. Sich immer wieder das "man lebt nur einmal" bewusst machen, all den Befürchtungen trotzend, einfach losreisen. Auf und davon; Augen zu und durch. Solange Distanzen noch Barrieren darstellen kann man nicht wirklich von Freiheit sprechen – also endlich frei sein, sich zumindest so fühlen! Als alter Travel-Hippie kann man heutzutage fast sicher sein, das dies ein Sprungs ins kalte Wasser wird. Wer Reisen will braucht zu allererst ein Ziel, dann Geld, oder andersherum. Wie auch immer: Sind die Budgets begrenzt (Mietwagen – man will ja auch was sehen – ab und an ein Motel (auch mal wie in nem echten Ami-Film vögeln!) und natürlich was zu beißen: Das strapaziert schon arg die Kasse, da muss man wie ein gemeiner Manager denken, der auch nur ans Einsparen vor Augen hat: Was wird also von der Ausgaben-Liste gestrichen? Es ist nun einmal Fakt: Die Kosten für Übernachtungen machen einen erheblichen Teil einer jeden Reise aus. Also, weg damit. Nur zelten allein macht die Herzallerliebste auch nicht glücklich. Und auf anderen Kontinenten ist das ja auch immer so eine Sache mit all dem giftigen Ungeziefer. God save the Internet: Es gibt Erlösung! Man muss nur kommunikativ und sozial aufgeschlossen sein. Dann bietet Couchsurfing nicht nur Übernachtungen for free sondern auch intime Einblicke in die Seele des besuchten Landes:

Brooklyn
Ein milder Spätsommerabend, in einem viel zu klein geratenen Garten: Mark und ich sitzen unter dem New Yorker Nachthimmel und kichern uns einen zurecht. Das Zeug hat es echt in sich. Kaum ist die Tüte am Ende, "bingt" es auch schon wieder auf seinem Smartphone. Mark ist erst seit wenigen Tagen bei Couchsurfing angemeldet und bekommt seit dem eine Vielzahl von Nachrichten pro Tag – es ist fast so, als hätte er eine "Wohnung in der KTV anzubieten" Anzeige veröffentlicht. Der pure Spam! Meine Süße und ich sind froh noch bei ihm untergekommen zu sein. Just in diesem Moment denkt er schon wieder an die Löschung seines Accounts nach. Wer kann es ihm verübeln. Das sind aber auch New Yorker Luxusprobleme. Wer in dieser Stadt eine Couch sucht muss sich mitunter bewerben wie bei einem Job. Mit Anschreiben, lustigen Frage und Antwortspielchen. Hier ist Angebot (Couch) und Nachfrage (Gäste) ein wenig aus den Fugen geraten. Und schon kommt das ganze Prinzip ins Wanken. Gerade in Großstädten ist das Finden einer kostenlosen Bleibe zunehmend schwierig geworden, was wohl auch daran liegt, das nicht mehr nur die Travel-Hippies dieses Portal nutzen, sondern einfach jeder, der Geld sparen will. Auch hier geht vielleicht zunehmend der eigentliche Sinn verloren, den das Couchsurfing ausmacht. Nämlich den interkulturellen Austausch, das gemeinsame Zeitverbringen. Als würde man einen Freund in der Ferne besuchen – auch darauf muss man sich erstmal einlassen. Soviel fremde Nähe, den Mief des Anderen ertragen, auch dessen Unordnung und auch dessen Fürtze.
Wir haben versucht, Mark ein wenig Deutschland mitzubringen. Immerhin hat er hier als Kind einige Jahre gelebt (Vater: Militär). Meine Süße hat ihm sogar Königsberger Klopse gekocht. Wie heißt eigentlich "Kapern" auf Englisch? Gar nicht so leicht! Er hat sich jedenfalls sehr gefreut. Mark ist ein sehr smarter Typ, baut als Ingenieur Hochhäuser in Manhattan, hat sich mal eben ein Apartment in Brooklyn gekauft (!) und lebt so in etwa das Leben von Barney Stinson: Geht gern in Bars und frönt dem stilvollen Konsum hochwertiger Alkoholika. "You know, my life is good right now!", sagt er schmunzelnd.
 
San Francisco
Meine Süße war einmal in Mailand und hat in einem Motel einen Amerikaner kennengelernt. "Besucht mich doch mal", das geht einem schon mal schnell über die Lippen. Und in dieser so klein gewordenen vernetzten Welt macht einen das ja schon fast zu echten Buddies. Zack, als Freund geaddet bei FB – kann man ja mal gebrauchen. Tatsächlich kamen wir dann bei seinem Bruder in San Francisco unter. Nathan ist ein typischer amerikanischer Student, wie man ihn aus unzähligen Filmen kennt: Wild feiernd und mit einer gewissen Aufreißermentalität. Sein Geheimnis: Er geht gern in Schwulen-Bars. "It works" sagt er grinsend, mit einer Stimme, die ebenso die eines erfahrenen Whiskytrinkers sein könnte. Für drei Tage haben wir in seiner Studenten WG "gehaust". Hier in Deutschland hätte Tine Wittler dort schön längst geklingelt. Wir machen uns nichts draus, sind eh viel draußen, machen Party mit den Hosts. Können kommen und gehen wann wir wollen, haben sogar einen Schlüssel für die Bude bekommen. So viel Vertrauen muss man erstmal haben. In seiner Freizeit schreibt Nathan für das Studentenmagazin und baut mit seinem Buddy einen Panzer in einer viel zu kleinen Galerie. Wie sie das Ding da wieder raus bekommen wollen? Egal! Gedanken über den Preis haben sie sich aber schon gemacht: 100.000 Dollar. Ich glaube er wurde nie verkauft.
 
Kopenhagen
Morten gibt uns den Tipp, das Zentrum (den Stroget) zu meiden und statt dessen die Parallelstraßen zu besuchen. Dort finden wir dann eine Art KTV mit extrem hippen Second Hand Läden. Als hätte die ganze Welt ihre 80er-Jahre Kollektion aus den Kisten auf dem Dachboden hier abgekippt. Alles nur leider n bissel teuer. Die in Christiania gekauften Glücklichmacher teilen wir am Abend dann freundschaftlich mit unserem Host und schauen "Zomieland" – so sieht moderner Urlaub aus. Mit Couchsurfing findet man auf der ganzen Welt seinen Homie von Nebenan.
 
Rostock
In unsere Hansestadt verschlägt es die Couchsurfer auch nur ab und an, irgendwie scheint es hier nicht allzu exotisch zu sein. Einen aus Indien stammenden Gastwissenschaftler verschlug es mal auf meine Couch. Clash of Cultures! Er vertrug die Wellen auf der Ostsee nicht – und ließ sich nach einer kleinen Bootstour nochmal alles durch den Kopf gehen (hatte aber in seinem Leben auch noch nie das Meer gesehen – das muss man sich mal vorstellen!), meiner Einer fand so manche Einstellungen und gesellschaftliche Normen aus seinem Land eher befremdlich. Dennoch – es war ein bisschen wie Urlaub, der zu einem nach Hause kommt.
 
Las Vegas
Hier übernachten wir in keinem der überdimensionierten, fast freizeitparkartigen Hotels, sondern bei Richie (Rich). Ein smarter Afroamerikaner, Berkeley-Student und ehemaliges Mitglied des Vorstandes der BAR-Association (Verband der Jura Studenten in den USA). Just am Wochenende unseres Besuchs stand die Wahl der neuen Vorsitzenden an. Er lud uns ein, ihn zu begleiten, er durfte mitwählen. Langweilige Veranstaltung könnte man denken. Nicht so in den USA, da wird alles inszeniert. Die Bewerber hielten Reden, als ginge es um die Zukunft des Landes oder gar die Präsidentschaft. Es gab Hummer-Ravioli, man begrüßte uns wie Staatsgäste. Die Studenten aus Princeton und Harvard (also die zukünftige Elite dieses Landes) alle in feinen Anzügen, nur unser Host, der kam in Flip Flops – so lässig! Seine mitgebrachten Kekse stürzten mich nach der Veranstaltung völlig in einen Fear and Loathing Tagtraum. Las Vegas als verschwenderischste Stadt der Welt: Wie irreal all dieses Glitzern und Geblinke ist, alles nur Fassade, das merkt man wohl erst in solchen Momenten.
 
Salt Lake City
In Dereks Wohnzimmer stehen zwei Rennräder – seine große Passion. Jan Ullrich? Sein großes Idol, egal was da war. Durch den Radsport ist er – im Gegensatz zu anderen Amerikanern – Europaaffin. Ich kann ihn immerhin mit meiner HipHop-GoldenAge-Knowlage beeindrucken. Auf unseren frisch bezogenen Gästebetten liegen Süßigkeiten, Derek ist der perfekte Host, nimmt sich Zeit, zeigt uns die im Winter eher triste Hauptstadt der Mormonen. Mit Menschen wie ihm würde man hier Freundschaft schließen. Am Ende bleibt Facebook, als letzter Kit der kurzen Bekanntschaft. Man sieht sich immer zweimal!
 
New York
Nach unserer Gutenachtüte chillen Mark und ich uns vor den riesigen Fernseher. Ich erzähle ihm, das ich bald Vater werde. Und mir wird klar, dass all das hier vielleicht schon gelebte Vergangenheit ist. Wir schauen Football, danach die Tonight Show. Ich beginne langsam dieses Land zu verstehen. Genau darum sollte es beim Reisen gehen und das geht nicht im sterilen Hotelzimmer, sondern bei deinem internationalen Homie um die Ecke auf der Couch, auf der du surfst.

PAUL FLEISCHER


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