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inga wulf – vom kiosk un' sine mademoiselle

inga wulf – vom kiosk un' sine mademoiselle

Jun 14

Es ist noch gar nicht so lange her, da begann jenseits der Kröpeliner Straße die kulinarische Ödnis. Abseits von Rostocks Shopping Meile, konnte man quasi kilometerweit laufen, ohne etwas Anständiges zu essen angeboten zu bekommen. Wobei dieses natürlich auch von jedem selbst   definiert werden darf. Nun, diese Zeiten liegen gut zwei Jahrzehnte zurück und tatsächlich ist heuer eher der umgekehrte Fall eingetreten: möchte man einigermaßen kultiviert und geschmackvoll dinieren, muss man die Rostocker Innenstadt fast meiden. Fast!

Denn natürlich gibt es doch auch im Stadtzentrum noch ein paar kulinarische Optionen, auch jenseits von Fast Food. Mit letztgenanntem hat sich ein Platz einen Namen gemacht, als von Burgern, Whoppern und Fries hierzulande kaum jemand zu träumen wagte. Der legendäre Kiosk am Rosengarten beherbergte schon in Zeiten der noch lange nicht im Untergang begriffenen DDR einen kultverdächtigen Imbiss, aus dem die fast weltberühmte Mordhorst'sche Currywurst verkauft wurde. Generationen von Schülern der Großen Stadtschule – damals "Clara Zetkin"-POS – investierten ihr Taschengeld in die Rostocker Spezialität ohne Darm. Und dies nicht nur, wenn die Schulspeisung mit etwas Unbestimmtem ungeklärter Herkunft aufwartete. Nun, seit jener Zeit ist viel Wasser die Warnow herunter geflossen. Die Clara-Zetkin-Schule gibt es schon lange nicht mehr und aus der Großen Stadtschule wurde inzwischen die Rostocker Musikschule. In der Innenstadt gibt es keinen GOLDBROILER mehr, aber dafür Pizza und das Restaurant zur Goldenen Möwe.
Aber den Kiosk am Rosengarten, den gibt es noch. Oder sollte man sagen WIEDER?
In den fast zweieinhalb Jahrzehnten seit der Wende schoss jede Menge Konkurrenz für unmodernes Fast Food aus dem Boden: Döner-Buden, Asia-Imbisse, Burger-Bräter und so mancher Currywurst-Stand machten den Weg zum Rosengarten für viele überflüssig. Und so standen oft nur ein paar traurige und schmutzige Gestalten vor dem grau gewordenen Kiosk, auf der Suche nach ein paar Bier und dem immer gleichen Schnack mit den anderen Schnapsdrosseln. Der Besitzer des Kiosks wurde dieser Perspektivlosigkeit überdrüssig und hatte Glück. "Eines Tages spazierte ich mit meiner Schwester durch die Schwaansche Straße und diese erzählte, sie hätte gehört, dass ein neuer Betreiber für den Kiosk gesucht würde. Und ich wusste, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre oder nie," erzählt "Mademoiselle Inga" von dem Tag, an dem sie plötzlich und unerwartet ein völlig neues Berufsleben begann. Eines, von dem sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste und das sich so auch nicht abgezeichnet hatte. Denn Inga Wulf, so heißt die "Mademoiselle" nämlich in echt, hatte einige Pläne und Ideen in ihrem bisherigen Leben in Gang und in die Tat umgesetzt, die aber auch gar nichts mit der Zubereitung von Essen zu tun hatten.
1981 in Rostock geboren, wuchs Inga in Dierkow  und in der KTV auf, besuchte die Borwin-Schule und machte ihr Abi am Fachgymnasium für Bautechnik. Das klingt in altmodischen Ohren erstmal ungewöhnlich für ein Mädchen, beginnt aber Sinn zu gewinnen, wenn Inga erzählt, dass sie sich durchaus vorstellen konnte, Innenarchitektur zu studieren. Oder Kunstgeschichte. Nun, es wurde ein Studium der Bekleidungstechnik in Berlin, von dem der Verfasser dieser Zeilen noch nie im Leben etwas gehört hatte, das sich aber um die Herstellung und Vermarktung von Klamotten dreht, und das Inga Wulf 2008 nach fünf Jahren als Diplomingenieur abschloss. Anschließend kehrte sie in ihre Heimatstadt, die sie immer im Herzen trug, zurück, um "wie es sich für eine vorbildliche Tochter gehört", im elterlichen Betrieb mitzuarbeiten. "Meine Eltern hatten eine Wäscherei und einen Waschsalon. Da kannte ich es nicht anders, als mit anzupacken. Oft habe ich erst noch Wäsche ausgefahren, wenn schon längst der Strand lockte. Das fand ich nicht immer toll, aber ist natürlich überhaupt kein Grund zur Klage!" Als ihre Eltern dann in Rente gingen, wollte Inga dann natürlich etwas ganz anderes machen. Sie schaute sich eine Weile um und plante dann Maßschuhmacherin zu werden. "Also zog ich in die Welt, auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb. Ich fand einen Meister in Neumünster, bei dem ich ein Praktikum absolvierte und der mir eine Ausbildung zusicherte. Also plante ich mein Leben etwas um, suchte mir eine Mitbewohnerin, damit ich meine Wohnung in Rostock halten könnte und stellte mich darauf ein, zwischen Rostock und Neumünster zu pendeln. Sind ja auch bloß anderthalb Stunden Fahrt." Nun, es wurde viel weniger Fahrt, nämlich keine. Der Maßschuhmachermeister vertröstete seine angehende Azubi ein ums andere mal um ein paar Wochen und dann noch einen und noch einen Monat. Und schon war ein Ausbildungsjahr verloren. Irgendwann setzte Inga Wulf ihm dann die rhetorische Pistole auf die Brust und wusste alsbald, dass es nicht klappen würde.
Kurz darauf erzählte dann ihre Schwester vom herrenlosen Kiosk. Der Kontakt zum Vermieter war schnell hergestellt. Dieser zeigte sich skeptisch begeistert, war er zwar froh, dass sein Imbiss eine Zukunft bekommen sollte, doch brauchte es einige Zeit, ihn vom neuen Konzept zu begeistern.
"Natürlich wollte ich keine Currywurst-Bude betreiben. Vielmehr konnte ich mich schon immer für gutes und wertiges Essen begeistern. Dies wollte ich nun selber herstellen und dafür Kunden gewinnen." Mit viel Enthusiasmus, noch mehr Engagement und persönlichem Investment warf sich Inga in die selbstgewählte Aufgabe, rüstete den Kiosk um, entwarf ihr kulinarisches Konzept und öffnete im Spätsommer ihre Kiosk-Küche "Mademoiselle Inga". Seitdem gibt es am Rosengarten täglich frische Suppen, verschiedene Quiches, Aufläufe etc. "Um 11 Uhr öffne ich mein kleines Bistro. Dann muss alles erledigt sein. Also beginnt mein Tag zwischen 7 und halb 8, damit ich alles frisch auf dem Bio-Markt einkaufen und zubereiten kann. Dabei helfen mir oft auch meine Mädels. Neben dem Mahlzeiten zum Mittag, backe ich natürlich auch immer frische Muffins und Kekse, damit die u.a. die vielen Kinderwagenschieberinnen sich bei mir eine kleine Stärkung abholen können," erläutert die Mademoiselle ihr kulinarisches Repertoire, das sie auch als Catering Service offeriert.
Inspiration für neue Rezepte holt sie sich beim Blättern in alten und neuen Kochbüchern, um dann etwas eigenes daraus zu kreieren. Zurzeit absolviert Inga einen Kurs zur ayurvedischen Kochen. Deshalb öffnet ihr Kiosk auch erst nach Pfingsten wieder. Aber dann wartet die Mademoiselle mit neuen Leckereien auf!
PS: Eine Currywurst kann man übrigens immernoch an der vertrauten Stelle bekommen!

www.mademoiselle-inga.de

CHRISTIAN RUTSATZ


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