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So viel Hilfe wie nötig, so viel Selbständigkeit wie möglich

So viel Hilfe wie nötig, so viel Selbständigkeit wie möglich

Dez 14

Wenn sich die Außentemperaturen Richtung Nullpunkt bewegen und die ersten Glühweinbuden in Rostock auftauchen, manifestiert sich alljährlich wieder ein Thema im Bewusstsein der Öffentlichkeit und rückt schlagartig in den medialen Focus: Wohnungs- bzw. Obdachlosigkeit.

Einem wiederkehrenden Ritual gleich klingeln jetzt wiederholt die Telefone in den Räumlichkeiten der ‚Obdachlosenhilfe Rostock e.V.‘ in der Albert-Schweitzer-Strasse, es häufen sich Interviewanfragen und Bea Busch weiß: Ab sofort hat das Thema wieder Konjunktur. vDie  Frau mit der auffälligen blonden Mähne kennt die Probleme und Schicksale wohnungsloser Menschen in allen Facetten, ist sie doch seit fast 20 Jahren mit Ihrem Verein an vorderster Front menschlichen Leids unterwegs.
Aufgewachsen in Rostock und zunächst als Chefsekretärin für die staatliche Versicherung tätig, wurde Bea Busch nach der Wende bei ihren ersten Besuchen in Lübeck oder Hamburg mit dem bis dato für Ostdeutsche eher unbekannten Phänomen obdachloser Menschen konfrontiert. Diese Erfahrung prägte, beschäftigte und sensibilisierte sie für eine Problematik, welche binnen kürzester Frist auch in Rostock akut wurde. "1995 gab es in Rostock über 450 Obdachlose, aber keine wirklich wirksamen Konzepte für den Umgang mit diesen Menschen" erinnert sich Bea Busch.
Nach einer Phase der Reifung von möglichen Ideen zu handfesten Taten wurden Vertreter der lokalen Wirtschaft angesprochen und im Freundeskreis der Eltern prominente Unterstützer wie Inge und Jo Jastram oder Felix Büttner akquiriert, so dass im Juni 1995 die ‚Obdachlosenhilfe Rostock e.V.‘ gegründet werden konnte. Nach Strukturierung und finanzieller Konsolidierung folgte im November 1996 die Eröffnung des bis heute in Toitenwinkel befindlichen Heimes für Obdachlose. "Beim Start waren wir 7 Mitarbeiter und 35 Obdachlose, aktuell beherbergen wir insgesamt 140 Menschen, die von 70 Mitarbeitern betreut werden". Längst ist das Heim in Toitenwinkel nicht mehr das einzige Projekt der umtriebigen Rostockerin, zwischenzeitlich entstand für ihre Klientel ein Bereich mit altengerechten Wohnungen, ein eigener Pflegedienst wurde gegründet und seit 2012 können bis zu 40 pflegebedürftige obdachlose und suchtkranke Menschen im zugehörigen Pflegeheim in Sievershagen gezielt betreut und gepflegt werden.
Neben einer menschenwürdigen Unterbringung ist die profunde soziale Betreuung der Bewohner das Kernstück der täglichen Arbeit der Obdachlosenhilfe. Hierbei reicht das Spektrum von der direkten Not-versorgung mittels des eigenen Straßensozialdienstes über Begleitung bei Behördengängen und Hilfe-stellung im Rahmen von Arbeits- und Freizeitprojekten bis hin zum Idealziel: der Rückkehr in eigenen Wohnraum. "In den letzten Jahren konnten wir im Durchschnitt ca. 20 Bewohner pro Jahr wieder in eigene Wohnungen vermitteln" erzählt Bea Busch, "jeder, der es zurück in ein normales Leben schafft, ist ein besonderer Erfolg. Das Ergebnis unserer Arbeit sollte nicht die Unterbringung im Heim sein, sondern eine Normalisierung der Lebensumstände auf lange Sicht durch Motivation und Aufzeigen von Perspektiven". Dafür wurden im Laufe der Jahre die verschiedensten Plattformen geschaffen, neben zwei Möbelbörsen für sozial Schwache können sich die Bewohner in verschiedensten Arbeitsprojekten ausprobieren, in der örtlichen Werkstatt handwerkliche Grundbegriffe erlernen oder sich im hauseigenen ‚Cafe Albert‘ engagieren. Das dieses Cafe mittlerweile auch von den direkten Anwohnern und Mitarbeitern umliegender Firmen frequentiert wird, wird als positiver Trend gewertet, da im alltäglichen Umgang miteinander viele der immer noch vorhandenen Vorurteile und Berührungsängste gegenüber wohnungslosen Menschen abgebaut werden können.
Gleichzeitig sind die Mitarbeiter ihres Hauses ständig bemüht, den Bewohnern auch über sinnvolle Freizeitgestaltung und gemeinsame Aktivitäten ein wenig Normalität und Struktur für ihren Alltag zurückzugeben. Die Wege in die Obdachlosigkeit sind mannigfaltig, zumeist begleitet von persönlichen Schicksalsschlägen und oft gekoppelt mit akutem Suchtverhalten und sozialen Phobien. Hier gilt es erste Schritte zu begleiten, mit den Betroffenen über Themen wie Entschuldung oder Therapie zu sprechen, ebenso zu fördern wie zu fordern. "So viel Hilfe wie nötig, so viel Selbständigkeit wie möglich." lautet das von Bea ausgegebene Motto für eine Hilfestellung, die viele der hier untergebrachten Obdachlosen zunächst oft gar nicht in Anspruch nehmen wollten. "Unser Straßensozialdienst braucht oft längere Zeit, um genug Vertrauen für einen gemeinsamen Weg aufzubauen. Wohnungslose Menschen haben keine Lobby, sie sind durch Ihre Erfahrungen auf der Straße oft verängstigt, jeglichen Institutionen gegenüber misstrauisch und leben komplett zurückgezogen." Mit immer neuen Ideen, kreativen Konzepten und unerschütterlicher Energie wird sich derartigen Problemen in Toitenwinkel entgegengestellt. Der Aufbau sozialer Kontakte, das Erleben von Gemeinschaft und das Gefühl, wieder ‚dazuzugehören‘ sind für viele Bewohner ein erster Anreiz für eine Reaktivierung ihres früheren Selbstwertgefühls, auch wenn oftmals nicht alles auf Anhieb gelingt.
Aktuell hat Bea Busch mit einer Tagespflege für Obdachlose bereits das nächste Projekt in Planung, hierfür müssen die Räumlichkeiten des Heimes teilweise umgebaut und angepasst werden. "Obdachlose mit ihrem speziellen Hintergrund werden öfter und schneller pflegebedürftig. Im Kontext einer Tagespflege können wir eine optimale, auf die individuellen Bedürfnisse pflegebedürftiger Bewohner zugeschnittene Betreuung gewährleisten." Man spürt relativ schnell, wie sehr die Belange der ärmsten der Armen ihr am Herzen liegen und man wünscht ihr die Aufmerksamkeit und Unterstützung, die sie für ihre Arbeit benötigt. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit …

Ralf Nadler


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