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Bewirtschaften und bewahren

Bewirtschaften und bewahren

Jul 15
Man kann es ein wenig französisch aussprechen. Dann klingt "Solawi" nach "C‘est la vie" - So ist das Leben. Das passt zu dem Fleckchen Erde im Süden Rostocks. Zwischen Wahrstorf und der Bahnlinie nach Berlin wird "Solidarische Landwirtschaft betrieben, ökologisch natürlich.

Die Autobahn tönt manchmal bis hier rüber, aber ansonsten ist es ein ruhiges Fleckchen mit Wiesen, Weiden, etwas Wald und gutem Boden für die Erdbeeren, den Mangold, den Salat und die Tomaten. Viele alte Sorten sind dabei, in langen Reihen gepflanzt, gut gewässert, in der Sonne – und so schmeckt das alles auch. Die Pferde stehen auf der Weide, jetzt im Sommer bleiben die Schafe und Ziegen auch draußen. Ihr Winterstall steht oben bei den Gewächshäusern und den Wohnwagen und den Bienenvölkern. Ein Schlag Dinkel ist in diesem Jahr hinzugekommen, im Herbst wird zum ersten Mal gedroschen und gemahlen und gebacken.
Die rund 80 "Ernteteiler" bekommen wöchentlich geliefert, was der Hof hergibt: Gemüse und Kartoffeln, deren Namen heute kaum noch jemand kennt, wer will, bekommt auch Wurst und Fleisch von den Schafen und Ziegen. Quark und Käse aus Ziegenmilch soll auch bald das Angeboten erweitern. "Wir können noch zwanzig bis dreißig Ernteteiler aufnehmen", sagt Gunter Freytag. "Dann stoßen wir an unsere Grenzen, an das, was mit unseren derzeitigen Arbeitskräften machbar ist." Auch der Boden darf nicht über Gebühr belastet werden, Ökologie bedeutet auch, sich der Grenzen des Wachstums bewusst zu sein. Ausgeliefert wird wöchentlich nur zu den neun Ausgabestellen in Rostock und Umgebung, selbst organisiert durch die Ernteteiler.
Die Einladung zum Mitmachen ist an die Ernteteiler immer ausgesprochen und das ist durchaus praktisch zu verstehen. An den Mitmach-Tagen helfen die Solawi-Mitglieder in Wahrstorf, gehen zum Pflanzen, Jäten und Ernten auf‘s Feld, bauen Gewächshäuser. Das ist keine Pflicht, aber offenbar trifft es den Nerv der Ernteteiler: Sie sehen es inzwischen als Freizeitangebot. "Meistens kommt die ganze Familie", sagt Gunter Freytag. "Die Eltern und die großen Kinder arbeiten, die Kleinen sind bei den Ziegen. Das geht wunderbar. Irgendwann sitzen wir alle auch gemeinsam am Tisch und genießen, was der Hof hergibt." Nicht selten bringen die Mitglieder auch eigene Setzlinge von zu Hause mit, angezüchtet auf der Fensterbank und dann im Gewächshaus liebevoll und fachgerecht gepflegt.
Das Prinzip der "Solidarischen Landwirtschaft" ist über 40 Jahre alt. Es entstand in den 1960er Jahren in Japan. Als der Landwirt Trauger Groh Anfang der 80er vom Buschberghof bei Hamburg in die USA gegangen war, begründete er dort die "Community Supported Agriculture" (CSA): Einige Bürger baten ihn, für sie biologisch-dynamisch erzeugte Lebensmittel anzubauen, zu ernten und ihnen zu verkaufen.
"Trauger Groh lehnte das rundheraus ab", erzählt Gunter Freytag. "Er wollte nicht monatelang arbeiten, nur um zu erleben, dass die Leute dann doch im Supermarkt einkaufen gehen und er die Ernte wegwerfen kann." Deshalb haben sich Verbraucher und Erzeuger geeinigt, die Kosten und die Risiken für die Erzeugung frischer, regionaler und gesunder Nahrung für sich und ihre Kinder gemeinsam zu tragen. Ein Stück Land wird vor der Zerstörung durch Agrarindustrie oder Flächenversiegelung bewahrt und zu einem guten Lebensraum für die Menschen und eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren gestaltet. Als die Angehörigen von Trauger Groh auf dem Buschberghof in den 80er Jahren dieses Prinzip auch in Europa umsetzten, gab es bald einige Nachahmer. Dennoch ist "Solawi" erst in den vergangenen Jahren wirklich populär geworden: 2007 zählte man neun Solawi-Höfe in Deutschland, heute sind es fast 80.
Die neueste Anschaffung auf dem Wahrstorfer Solawi-Hof heißt "WEcoDyn": Ein System aus kombinierbaren Elementen zur schonenden Bodenbearbeitung und zur Aussaat. Ökologische Landwirtschaft bedeutet nicht, dass hier alles von Hand gemacht wird. Natürlich wird auch vieles mit den Pferden als Zugtieren erledigt. Aber auch der Traktor kommt zum Einsatz. "Im Interesse unserer Mitglieder wollen wir natürlich effektiv wirtschaften", sagt Gunter Freytag. "Wenn wir alte Bewirtschaftungsformen wieder entdecken, heißt das ja noch lange nicht, dass wir uns den Modernisierungen verweigern." Betriebswirtschaft war auch ein Teil seines Studiums der Landschaftspflege und Umweltplanung, das er nach seiner Gartenbau-Lehre aufgenommen abgeschlossen hat.
Das Unkrautjäten auf den langen Reihen verschiedener Gemüse muss weiter von Hand erledigt werden. "Wir versuchen, mit Mulch zu arbeiten", sagt Gunter Freytag. "Das ist aufwändig beim Pflanzen. Das Unkraut wegzuspritzen kommt für uns nicht in Frage."
Bald soll auch der Kauf von 27 Hektar Land über die Bühne gehen. Bisher nutzte der Hof das Weideland bis zur Bahnlinie in Pacht. Als jetzt der Vertrag auslief, musste der Hof sein Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen. Also wurden Geldgeber gesucht – und gefunden: Ein großer Teil der Summe wird von der neuen Eigentümergemeinschaft getragen. Wie diese Körperschaft genau aussehen soll wird gerade geklärt. Die Besitzer überlässen das Land dem Solawi-Hof gegen Pacht zur Bewirtschaftung, der Kredit kann – wenn alles funktioniert – innerhalb eines Jahres abgegolten werden. Aber nicht nur Anteilseigner, sondern auch kleine Spenden sind willkommen – für alle, die mit der Idee des Landfreikaufes etwas anfangen können. Das Land wurde auf diese Weise den Bodenspekulanten entzogen, die ihr Geld seit Jahren in Grundstücken anlegen. Das hat den Bodenpreis in die Höhe getrieben, ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar.
"Für uns ist wichtig, dass wir jetzt ausreichend Weideland nah beim Hof gesichert haben", erläutert Frank Freytag. "Damit sind wir effektiver, als wenn unsere Weiden weit entfernt sind." Das Land hätte bei einer Versteigerung auch an Landwirte fallen können, die intensive Landwirtschaft betreiben. Dann wäre es auch vorbei gdewesen mit dem Idyll an der Warnow. In den Niederungen leben Rehe und Reiher, in den neu angelegten Hecken haben seltene Singvögel ihre Nester gebaut. Naturschutz und Erhalt der Artenvielfalt durch Landwirtschaft. Auch das geht mit Solawi.

FRANK SCHLÖSSER

www.solawi-rostock.de

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