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KTV-Pastor Marcus Antonioli – „Ich werde immer wieder überrascht.“

KTV-Pastor Marcus Antonioli – „Ich werde immer wieder überrascht.“

Feb 17
Der Pastor mit den kurzen Predigten, dafür auch gern mit einem Bild unterlegt, das per Beamer auf die neue Leinwand in der Heiligen-Geist-Kirche projiziert wird. Der coole Reli-Lehrer für die 11. Klasse der Jenaplan-Schule, die derzeit in der Margaretenschule untergebracht ist. Der Mann, der endlich ernsthaft Hand an seinen Kirchturm legt, der jetzt wegzugammeln droht über dem langwierig sanierten Gotteshaus.

Über fünf Jahre ist es her, dass Marcus Antonioli in sein Amt als Pastor an der „HeiGeiKi“ gekommen ist, wie die Kirche am Margaretenplatz und auch die 2300 Seelen große Gemeinde flapsig genannt wird. „Insgesamt wachsen wir“, sagt Marcus Antonioli. „Wir haben in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt allgemein eine große Fluktuation: Mehr als ein Viertel der Bewohner ziehen pro Jahr von hier weg oder kommen neu hinzu. Deshalb sehen wir auch in der Gemeinde immer neue Gesichter.“ Das Durchschnittsalter der Gemeindemitglieder liegt bei Mitte Dreißig, aber diejenigen, die die Gemeindearbeit leisten, gehören eher den älteren Generationen an. „Das ist eine Besonderheit unseres Stadtteiles, auf die wir uns einstellen“, sagt Marco Antonioli. „Die Älteren, die schon lange hier sind, verteilen zwei-dreimal im Jahr die Flyer, mit denen wir uns bei den ‚Neuen‘ in der KTV bekannt machen.“ Auch wenn viele der Adressaten vielleicht nicht lange in Rostock bleiben, so sollen sie doch die Erinnerung an ein paar schöne Begegnungen mitnehmen.
Benjamin Saupe hat sich ebenfalls darauf eingestellt: Der Jugendkantor und Leiter des „Gospelprojektes“ hat die Probe-Zyklen des Chores so gelegt, dass sie in den Semester-Rhythmus passen. Über zwanzig Neulinge kommen bei jeder Runde zum „festen Chor“ hinzu und nach ein paar Proben gibt es dann den Auftritt vor der Gemeinde – rechtzeitig vor der Prüfungszeit am Semesterende. Das „Gospelprojekt“ ist dabei nur ein musikalisches Projekt der HeiGeiKi - Neueinsteiger sind natürlich überall herzlich willkommen.
„Offenheit ist ohnehin das Credo für meine Zeit in der KTV“, sagt Marcus Antonioli. „Offenheit und Erkennbarkeit.“ Das ist auch der Grund, warum der Pastor es sich nicht nehmen lässt, vor jedem Konzert das Publikum in der Kirche zu begrüßen. Auch wenn es mal nicht leicht ist, die richtigen Worte zu finden für eine Aufführung der derb-realistischen Poesie de „dirty old Man“ Charles Bukowski unter einem Kruzifix. „Aber es ist uns eben nichts Menschliches fremd in der Kirche“, sagt Marcus Antonioli. Und schickt noch sein Lachen hinterher.
Mit der gleichen Heiterkeit widmet er sich dem Religionsunterricht einer 11. Klasse der Jenaplanschule, die derzeit in der Margaretenschule untergebracht ist. „Dort begegnen mir Schüler, die über Glauben und Religion als Unbeteiligte nachdenken“, erzählt Marcus Antonioli. „Aber das ist das Spannende: Wir finden gemeinsam heraus, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind in den verschiedenen Glaubensrichtungen. Ich werde dort mit einem interessanten Diskurs konfrontiert, ich mag diese Offenheit.“
Schließlich war es auch diese gelebte Offenheit, die ihn und Kirchengemeinderat veranlasste, die Summen für die Restaurierung der Kirche abzusegnen. Eine Winterkirche wurde mit Glas vom Altarraum abgetrennt, auf den Bänken liegen jetzt Sitzkissen und die gegen die neumodische Beamer-Technik unter dem großen Kruzifix gab es doch einigen Widerstand. „Aber vor allem die behindertengerechte Toilette hat doch ganz schön viel gekostet“, berichtet der Pastor. „Dieser Teil des Projektes wurde unser Tebartzeum.“ Wieder lacht er. Doch im Gegensatz zum Prunk, den seinerzeit der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in den Sitz seiner Diözese versenkte, ist diese Investition für Marcus Antonioli durchaus gerechtfertigt: „Wir müssen unsere Häuser doch barrierefrei gestalten – als Gebäude, aber auch als ständige Einladung an alle, die uns besuchen wollen – ob nun über kurz oder lang.“
Das klingt gut und sagt sich so hin. Aber was, wenn diese Offenheit tatsächlich auf die Probe gestellt wird? Wie in der „heißen Woche“ im September 2015, als rund 40 Flüchtlinge aus Syrien in der Kirche untergebracht werden mussten? Marcus Antonioli war ja schon vom Engagement der Studentinnen in der Pfarrhaus-WG sehr angetan. Sie hatten sich über Jahre um einen jungen Afghanen gekümmert, der im Kirchenasyl vor seiner Abschiebung bewahrt worden war. „Das war wirklich bemerkenswert – vom Deutschunterricht bis zum Volksküchen-Sommerfest, mit dessen Einnahmen Resah ein kleines Taschengeld bekommen konnte“, sagt der Pastor. „Resah konnte wirklich hier bleiben. Er hat jetzt einen Job als Barmixer. Da ist es natürlich vorteilhaft, dass er als Muslim keinen Alkohol trinkt.“
Doch auch für ihn war es überraschend, wie viele sich um die Notunterkunft in der HeiGeiKi kümmerten. „Da fragte auch niemand, ob die Helfer in der Kirche sind oder nicht. Wir hatten einfach das gemeinsame Interesse, diesen Menschen zu helfen.“
Vor allem bei einer Geschichte mit dem Wäschewaschen sei ihm das Herz aufgegangen. Die Flüchtlinge mussten ihre Wäsche waschen. Das wäre kein Problem gewesen. Aber wie sollten die Helfer danach die Wäsche wieder ihren Besitzern zuordnen? Außerdem ist das eine ziemlich intime Angelegenheit. Die Lösung sah dann einfach aus: Jede Flüchtlingsfamilie packte ihre Wäsche in einen Plastikbeutel und übergab sie im Gottesdienst jeweils einem unserer Gemeindeglieder. Die steckten die Wäsche dann zu Hause in die Waschmaschine und brachten sie ein paar Tage später zurück. „Als sich im Gottesdienst die beiden Schlangen gegenüber standen und die Wäschebeutel übergeben wurden – da ging mir wirklich das Herz auf“, sagt Marcus Antonioli. „Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Es blieb kein Beutel übrig.“
Die nächste Aufgabe ist die Rettung des Kirchturmes, der inzwischen über 100 Jahre steht. Der marode Helm wird derzeit restauriert. „Aber unsere Bohrkerne haben gezeigt: Das Mauerwerk darunter ist vergammelt,“ erläutert Marcus Antonioli. „Unter der schmucken Backstein-Fassade wurden Zement und Steine verwendet, die dem Frost nicht gewachsen sind und heute bröckeln. Da müssen wir ran, sonst bleibt die Restaurierung des Kirchenschiffs nur Stückwerk.“
Die Kosten werden auf rund 500 000 Euro geschätzt, vor allem der Gerüstbau um die verspielten neogotischen Formen der Kirche wird teuer.
Spendensammeln ist angesagt. Aber vielleicht hat ja auch hier die Gemeinde ein paar Ideen für ihren Pastor parat. Marcus Antonioli lässt sich ja gern überraschen.

Frank Schlösser

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