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Joachim Rudolf

Nov 08

Joachim Rudolf ist Gründer der Event Company Nord. Seit 18 Jahren vermittelt seine Agentur erfolgreich Künstler aller Couleur, organisiert Stadtfeste, Mittelaltermärkte und richtet Veranstaltungen aus, vom Kinderfest bis zum Gala-Empfang. Doch das war nicht immer so. Im früheren Leben war Joachim leidenschaftlicher Musiker, Berufsbassist und Mitglied der angesagten DDR-Bluesrock-Band ZENIT.

 

Angefangen hat alles mit einem Harmonium. Das stand vor über 60 Jahren im Hause Rudolf in Bützow. Joachim sah, klimperte und die Liebe für die Musik war geboren. Weiter ging es mit Trompetenunterricht, Spielen im Fanfarenzug und einem geliehenen Akkordeon.

Dann kam die Zeit des Rock 'n' Roll und „ich wurde irgendwie infiziert“. Die Trompete musste weichen, denn „man musste einfach Gitarre spielen und 'ne Elvis-Brücke können!“ (Elvis-Brücke: seinen Körper so weit nach hinten biegen, so dass man eigentlich umfällt. Dabei möglichst lässig und entspannt aussehen und natürlich nicht umzufallen.)

Nach der Schule ging Joachim, genau wie sein Vater, zur Reichsbahn und lernte Elektrosignalschlosser; die Gitarre immer dabei. Er gab erste Auftritte als Sologitarrist und spielte mit verschiedenen Bands. Doch da die Welle des Beat und Rock 'n' Roll nicht nur Joachim, sondern eine ganze Generation Jugendlicher erfasste, spielte irgendwann jeder Gitarre und Joachim wollte etwas anderes machen. Er entdeckte den Bass für sich, ging ans Konservatorium in Rostock und bekam nach 5 Jahren Unterricht den „Berufsausweis“. Das war die offizielle Erlaubnis, mit Musik sein Brot zu verdienen und den Reichsbahn-Job hinzuschmeißen.

Anfang der 70er fing seine Zeit bei der Rockband ZENIT an. Die Band war zu diesem Zeitpunkt schon einigermaßen erfolgreich und tourte durch den ganzen Norden. 20 Auftritte im Monat, jedes Wochenende unterwegs. Wenigstens hatten die Bandmitglieder bereits ein Auto und konnten ihre Ausrüstung relativ gut transportieren. Das war nicht immer so. „In Schwerin sind wir mit einem Handwagen zur Mugge gefahren. Mikrofon, Ständer, zwei Verstärker rein und die große Trommel mit dem Taxi hinterher. Los ging's.“

Aufgetreten wurde bald überall in der DDR. Anfang der 80er, als sich ZENIT mehr und mehr dem Blues verschrieb, reiste die Band ins sowjetische Bruderland. Zwei Wochen Bühnenprogramm für ostdeutsche Montagearbeiter, die in der Ukraine die Gasleitung bauten. „Das war lustig. Die Leute wussten ganz genau, was sie hören wollten. Ihr Lieblingslied war 'Eiszeit' von Peter Maffay, denn die haben ja nur im Eis und Dreck gelegen. Als Stolle, unser Sänger, meinte, dass wir das nicht spielen können, baute sich so'n Dicker vor ihm auf und donnerte: 'Wenn ihr das heute Abend nicht spielt, nehm ich 'ne Axt und hau eigenständig eure Anlage zusammen.' Also haben wir uns die Noten besorgt und gespielt.“ Eine weise Entscheidung, denn anderen Bands erging es da schlechter. Die unterschätzten die Liebe eines Arbeiters im sowjetischen Winter zu seinem Song und konnten ihre Anlage in Einzelteilen mit nach Hause nehmen.

Auch vor Einheimischen hat ZENIT gespielt. In Kulturhäusern, in denen es außer einer 380 Volt Starkstromleitung keinen Strom gab. „Unser Techniker hat dann gebastelt und Stecker dran gebaut. Ohne Sicherung, nicht geerdet. Da musste man schön Abstand halten und gucken, dass das Mikro nicht unter Strom stand.“ Das war's aber noch nicht mit den kulturellen Eigenheiten. Es gab auch noch die russische Gastfreundschaft in Form von Dörrfisch und Selbstgebranntem. Joachim versuchte, sich mit chronischen Magenschmerzen rauszureden. Gelang das nicht, half nur die Flammenprobe: „Du hältst ein Streichholz an den Schnaps. Wenn er blau brennt, kannst du ihn trinken. Brennt er gelb, dann bloß die Finger weg. Das Zeug macht blind.“

Aus seiner Akte erfuhr Joachim später, dass ZENIT sogar mal für ein Blues-Festival in Wien vorgesehen war. Aber bevor die Band fahren durfte, musste gründlichst untersucht werden, ob die Jungs als Reisekader für die NSW, die „nichtsozialistischen Währungsgebiete“ würdig waren. Als endlich alle Funktionäre und Staatsgetreuen ihr sozialistisches Häkchen auf die Genehmigung malten, waren mehrere Monate vergangen und das Festival längst vorbei.

Mit den offiziellen Kontrollorganen der DDR hatte ZENIT wenig Probleme. Sie waren eine unpolitische Band. „Wir wollten nur Musik machen und den Leuten eine gute Zeit bescheren.“ Natürlich bekamen auch sie mit, wenn Musiker wie Renft oder Biermann in die Fänge der Stasi gerieten. Bei ZENIT passte man auf, was auf der Bühne gesagt wurde, denn die Offiziellen saßen oft genug im Publikum. „Uns ging es gut. Wir haben ja gut verdient. Warum sollten wir alles, was wir erreicht hatten, auf's Spiel setzen, nur wegen eines dummen Spruchs? Kritische Dinge wurden in der Garderobe diskutiert.“

Als die Wende kam, veränderte sich die Welt von ZENIT schlagartig. Anstatt nun im Westen bekannt zu werden, musste Joachim, der auch Manager der Band war, feststellen, dass Muggen plötzlich rar gesät waren. „Ich fuhr damals mit dem Trabi durch Westberlin und bin die Clubs abgeklappert. Manchmal hat was geklappt, aber nur gegen Eintrittseinnahmen. Da kamen an einem Abend oft nicht mehr als 150 DM raus. Das reichte nicht mal für's Essen.“ Auch im Osten wollte plötzlich kaum noch jemand was von ZENIT wissen. Die alten Helden wurden ausgemustert, wie so manches in dieser Zeit. „Die wollten nun die Leute aus dem Westen mit bunten glänzenden Prospekten. Später haben sie mitgekriegt, dass die auch nur mit Wasser kochen, oft mit schlechtem Wasser. Wir aber waren machtlos.“ Keine Auftritte mehr, kaum noch Geld. Was also tun? Diese Frage mussten sich alle Ost-Bands stellen, deren Lebensinhalt plötzlich wegbrach. Den Meisten blieb nichts übrig, als sich aufzulösen. So auch bei ZENIT: '91 war Schluss. Joachim konzentrierte sich auf seine Künstleragentur, die er bereits ein Jahr vorher gegründet hatte. Sammelte Kontakte und versuchte, seine alten Musikerkollegen an die Clubs zu bringen. Anfangs mit wenig Erfolg. „Ich konnte einfach nicht begreifen, dass die keiner mehr wollte. So nach dem Motto: Die hatten wir 20 Jahre, die interessieren uns nicht mehr.“

Bitterkeit. Das war das Gefühl dieser Tage. Aber anstatt aufzugeben, verließ sich Joachim auf seine Erfahrung und den norddeutschen Dickkopf. Hartnäckig hielt er am Konzept der Agentur fest und machte aus ihr über die Jahre ein äußerst erfolgreiches Unternehmen. Er hat es geschafft. „Ich kann mich gut in die Musiker einfühlen, ich weiß was sie brauchen und wollen. Früher war ich Musiker und hab Andere um Arbeit gebeten. Heute vergebe ich die Arbeit. Das ist gut.“



Birke Scheffler

1 Kommentar zu „Joachim Rudolf”


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