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Arbeit für Johnson

Arbeit für Johnson

Apr 17
Im Jahre 2042 wird im – bis dahin hoffentlich in Rostock gebauten – Uwe-Johnson-Haus gefeiert: Das letzte Buch der Werkausgabe von Uwe Johnson ist erschienen. Es ist das 43. Buch einer 22-bändigen Reihe. Auf dem Cover steht immer noch „Rostocker Ausgabe“. Der Verlag heißt immer noch Suhrkamp.

Das ist der Plan. Das Team um Prof. Holger Helbig meint es ernst. Im vergangenen März wurde der erste Band auf der Buchmesse in Leipzig präsentiert, ein paar Wochen später gab es eine zweite Feierstunde im Rostocker Barocksaal. Auf der Bühne stand das blaue Buch. Es enthält die kritische Ausgabe des Debüts von Uwe Johnson (1934-1984) aus dem Jahre 1956. Das heißt: Der Text des Romans macht nur einen Teil des Buches aus. In den Anmerkungen ist nachzulesen, wie und warum Uwe Johnson diese und jene Textstelle so und nicht anders formuliert hat. Und es geht weiter: In ein paar Wochen wird auch der digitale Teil des Bandes verfügbar sein: Dokumente, Verweise, Briefe, Erläuterungen – ein Apparat, der den Rahmen eines Buches sprengen würde. Damit ist sichtbar, das selbst diese lange Reihe aus 22 Büchern nur einen kleinen Teil der Forschungsarbeit abbilden wird. Wer tief eintauchen will in den Kosmos der „Jahrestage“, der wird die Medien ständig wechseln, der wird im Buch lesen und blättern und im digitalen Apparat klicken und scrollen, um hinter die vielen Recherchen, Notizen, Veröffentlichungen, sprachlichen Bedeutungen und die persönlichen Verbindungen zu kommen, die Uwe Johnson zwischen 1970 und 1983 in die vier Bände seines Hauptwerkes in den riesigen Text eingewoben hat.  
Alles, was in den vergangenen Jahren in Rostock zu Uwe Johnson geschehen ist, scheint nur eine Vorbereitung zu dieser Arbeit gewesen zu sein: Die Gründung des Uwe-Johnson-Lehrstuhles an der Universität Rostock, der Ankauf des Uwe-Johnson-Nachlasses aus dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach, die Herausgabe eines Lesebandes über Uwe Johnson für die Schulen, die Gründung der Uwe-Johnson-Gesellschaft und das Projekt „Eine Stadt liest die Uwe Johnson Jahrestage“, das in den Jahren 2013 und 2014 verwirklicht wurde. Der Uwe-Johnson-Lehrstuhl und die Arbeit an der Werkausgabe wird vom Land großzügig gefördert. Die Initiative geht jedoch immer noch von Dr. Ulrich Fries aus, dessen Name an einem Haus an der B 105 in Sievershagen steht – einer Filiale des Holz-Großhandels Fries aus Kiel. Ulrich Fries promovierte selbst 1987 mit einer Arbeit über die Erzählstruktur der „Jahrestage“, stieg aber dann ins Familienunternehmen ein. Der Unternehmer engagiert sich seit Jahrzehnten emotional und finanziell für die Erforschung des Werkes von Uwe Johnson – und er ist wieder gefordert, denn bei der Suche nach einem Platz für das neue Uwe-Johnson-Haus in Rostock gibt es Schwierigkeiten. Derzeit sind die Uwe-Johnson-Forscher im Torhaus am Schröderplatz untergebracht, der Nachlass des Dichters liegt im Bucharchiv der Universität am Universitätsplatz.
Dennoch: Ist der Aufwand angemessen für den Dichter, der nur ein knappes Jahr an der Rostocker Uni eingeschrieben war? 1952 hatte er sein Abitur in Güstrow gemacht, danach war er für das Literaturstudium nach Rostock gezogen. Schon 1953 wechselte er an die Universität Leipzig, im Jahre 1959 verließ er die DDR. Doch die Erfahrung, die Uwe Johnson in Rostock machte, wiegt schwer für sein Leben: Im Mai 1953 sollte er sich mit einer Rede an der staatlich inszenierten Stimmungsmache gegen die Junge Gemeinde in Rostock beteiligen. Uwe Johnson verweigert sich nicht nur, er nutzt seine Zeit auf dem Podium einer FDJ-Versammlung für ein Plädoyer auf die Religionsfreiheit, die doch auch durch die Verfassung der DDR garantiert sei. Dieser Affront kostet ihm zunächst den Studienplatz, doch im Zuge der Ereignisse um den Aufstand am 17. Juni wird die Exmatrikulation zurückgenommen. Eine entscheidende Weichenstellung im Leben des gerade 19-jährigen Uwe Johnson.
Insofern ist die Arbeit an der Werkausgabe „Uwe Johnson“ tatsächlich eine Rückkehr des Dichters. Die übrigens weltweit Aufmerksamkeit erregt. Nicht nur, weil es das erste Mal ist, dass eine Werkausgabe für einen Schriftsteller erarbeitet wird, der – im Maßstab der Literaturhistoriker – erst „neulich“ gestorben ist. Sondern auch, weil die Gemeinschaft der „Uwe-Johnson-Fans“ wirklich über die ganze Welt verteilt ist. Es gibt Japaner, Australier, Südamerikaner, die jetzt gespannt nach Rostock blicken und darauf hoffen, eines Tages vor dem Schreibtisch zu stehen, an dem der „Dichter beider Deutschland“ vor seiner Schreibmaschine saß.

FRANK SCHLÖSSER

Dr. Katja Leuchtenberger, Dr. Cornelia Bögel, Fabian Kaßner, Martina Paethke und André Kischel. (von links nach rechts)

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