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Big Data an der Universität Rostock – Lehrende bereiten Studierende auf die Berufspraxis vor

Big Data an der Universität Rostock – Lehrende bereiten Studierende auf die Berufspraxis vor

Nov 18
Immer schnellere Computer und die damit einhergehende Zunahme der Digitalisierung verändern unser Leben fundamental. Die Menge der produzierten Daten steigt. Ununterbrochen werden Daten in umfangreichen Mengen und hoher Komplexität produziert. Big Data – Massendaten und der Umgang mit diesen riesigen Datenmengen – hat sich am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie der Universität Rostock unter der Leitung von Professor Rafael Weißbach zu einem wichtigen Forschungsbereich entwickelt.
 
„Das ist für die statistische Datenanalyse ein weites Arbeitsfeld“, sagt Professor Rafael Weißbach, Inhaber des Lehrstuhls für Statistik und Ökonometrie der Universität Rostock. Die Qualität der Forschung mache dadurch einen Quantensprung, unterstreicht der promovierte Mathematiker. Das spiegele sich auch in der Lehre an der Universität Rostock wider. Studenten analysierten in ihren Bachelorarbeiten am Lehrstuhl beispielsweise 15.000 Aufschläge von Spielzügen der Schweriner Volleyballerinnen. Dabei untersuchten die angehenden Akademiker, inwieweit verschiedene Aufschlagarten Einfluss auf den Spielverlauf nehmen. „Das Beispiel zeigt, wieviel Daten in dem Zusammenhang anfallen und analysiert werden wollen“, sagt Professor Weißbach.
 
Bei einer anderen Bachelorarbeit spielte Karies von 8.000 Kindern die entscheidende Rolle. „Gerade bei diesem Krankheitsverlauf geht es neben den beobachteten Fällen auch noch um viele unbeobachtete für die Analyse. So, dass es sich implizit um noch viel mehr Daten handelt. Der Anteil kariesfreier Kinder eignet sich sehr gut als Prävalenzmaß für Vergleiche und Trendbeobachtungen und damit auch zur Bewertung regionaler gruppenprophylaktischer Maßnahmen“, unterstreicht Professor Weißbach.
 
Bei Masterarbeiten steige die Datenmenge ebenfalls erheblich. Das hat gerade Lucas Radloff erlebt. Der 26-jährige Mathematiker wertete knapp vier Millionen Buchungen von Kunden der Rostocker Reederei AIDA aus: Big Data, sprich Massendaten, also ohne die bislang üblichen Umfragen. Die Grundlage bildete ein anonymisierter Datensatz von etwa drei Jahren. In dem waren die Ausflüge von Passagieren ausgewiesen, die bereits vor Antritt der Reise gebucht worden waren. Mit neuen Analysemethoden, neuen mathematischen Modellen und innovativer Technik ist es möglich, für das menschliche Gehirn nicht mehr fassbare Datenmassen zu speichern und in ihnen nach Mustern zu suchen. „Und genau daraus lassen sich dann konkrete Schlüsse ziehen“, sagt Lucas Radloff, der jetzt eine Doktorarbeit anpeilt, die sich wiederum mit Daten befassen wird. Für die Rostocker Reederei AIDA ist die Zusammenarbeit mit der Universität Rostock deshalb so interessant, „weil hier der wissenschaftliche Umgang mit Daten seine Anwendung in der Praxis findet“, betont AIDA-Manager Dr. Andreas Dartsch. „Die Weiterentwicklung des AIDA Produktes und die Gästezufriedenheit sind hier wesentliche Triebkraft“, sagt Dartsch. „ Und außerdem können wir zeigen, dass AIDA als Arbeitgeber für Absolventen in so einem wichtigen Zukunftscluster spannend ist.“

„Es gibt an der Uni Rostock eine Software, mit deren Hilfe Daten so zusammengefasst werden können, dass am Ende nur noch die interessierenden Parameter herauskommen“, sagt Professor Weißbach. Die Hauptschwierigkeit bestehe darin, das Zusammenfassen der Datenmengen zu diskutieren. Damit werden zum einen Aussagen zur Präzision der Parameterschätzung möglich und zum anderen kann Vorbehalten einer willkürlichen Methodenwahl entgegengetreten werden. In diesem Prozess greifen die Rostocker Forscher auf eine Theorie zurück, die vor etwa 100 Jahren maßgeblich von dem britischen Wissenschaftler Ronald A. Fisher mitentwickelt wurde. Allerdings habe es sich vor 100 Jahren um so kleine Datenmengen gehandelt, dass die auch von Hand zusammengefasst werden konnten, sagt Professor Weißbach. Wissenschaftlich interessant sei jedoch, dass diese Methode auch für sehr große Datenmengen funktioniere, sagt der Forscher und zwinkert: „Natürlich nur mit Hilfe des Computers“. Das Beispiel von AIDA zeige, dass die Datenmengen in Firmen riesig seien. „Gerade Abschlussarbeiten eignen sich gut, den Umgang mit großen Datensätzen für die praktische Arbeit nach dem Studium zu trainieren“, so der Forscher. Das betreffe nicht nur sein Fach, sondern beispielsweise auch die Soziologie und Volkswirtschaftslehre.
 
Für die Lehre bedeutet das weiterhin, dass in Vorlesungen und Seminaren Rechenwege klar und deutlich dargestellt werden müssen. Da sei eine einheitliche Sprache hilfreich. Deshalb hat der Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie der Universität Rostock dieses Jahr unter maßgeblicher Regie von Professor Rafael Weißbach zwei weitere Lehrbücher auf Bachelor- und Masterniveau herausgegeben, damit die Analyse von Finanzdaten besser zu verstehen ist. Die Bücher sind in der E-Book-Variante für Studierende fast überall verfügbar. „Die Anforderungen an die Studenten steigen“, betont Professor Weißbach „vor allem auch durch die strengen Vorschriften der europäischen Datenschutzverordnung.“ „Methodik genauestens zu skizzieren und so Studierenden zu helfen, in Ruhe über spätere Datenanalysen nachzudenken, sei eine der Kernaufgaben in der methodischen Hochschullehre, unterstreicht Professor Weißbach.

Text: Wolfgang Thiel
Bild:Professor Rafael Weißbach (links) und Mathematiker Lucas Radloff diskutieren über Methoden der Analyse von großen Datenmengen (Copyright: Universität Rostock/Thomas Rahr).

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