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Revolution in Schwarz Weiß: Interview mit Siegfried Wittenburg

Revolution in Schwarz Weiß: Interview mit Siegfried Wittenburg

Aug 09

Mit seiner Kamera dokumentierte er die Wendezeit in Rostock wie kein Anderer. „Ich habe irgendwie gespürt, dass das meine Aufgabe ist - und da bin ich eben los gezogen“, sagt Siegfried Wittenburg. Und so machte er sich auf in den Rostocker Herbst 1989, fotografierte die Demonstrationen, die stillen Proteste in den Kirchen, die lauten auf der Straße und fing das Gefühl der Veränderung ein, das in jenen Tagen in der Hansestadt herrschte.


Doch schon lange vor dieser geschichtsträchtigen Zeit war Siegfried Wittenburg mit seiner Kamera unterwegs und fotografierte alles, was er unter die Nase bekam. Über die Jahre häufte er so eine Bildersammlung an, die vielleicht mehr über die DDR aussagt, als so manche Doktorarbeit. Denn Wittenburgs Bilder widmen sich dem Alltag in der Diktatur. Sie dokumentieren die kleinen und großen Probleme der Menschen, die Lebensfreude, die Improvisationskunst inmitten des Mangels, den Zerfall und die Schaffenskraft. Immer wieder decken seine Fotos die kleinen Absurditäten und Ironien des Lebens im real existierenden Sozialismus auf, aber nie brachial, verletzend oder mit erhobenem Zeigefinger. Wittenburgs Bilder sind sensible Zeugnisse einer untergegangenen Zeit, die vielleicht gerade wegen ihrer Zurückgenommenheit ein eindrucksvolles Bild der DDR zeichnen.


Im August erscheint Wittenburgs Buch „Revolution Rostock 89“ mit Bildern und Texten der Hauptakteure in den Wendejahren in Rostock. Wir sprachen mit ihm über diese Zeit, ihre Menschen und seine Rolle als Fotograf.




0381: Sie haben viele Ausstellungen mit Ihren Fotos über den Alltag in der DDR gemacht. Wie sind die Reaktionen des Publikums auf die Bilder?

Wittenburg: Ich bekomme eigentlich durchweg positive Reaktionen. Wissen Sie, Heerscharen von Historikern sind unterwegs, die die DDR-Geschichte aufarbeiten, es gibt unzählige Doktorarbeiten zu dem Thema, Erhebungen, Statistiken usw. Ich mache aber die Erfahrung – wenn ich da ein Bild aufhänge, sind plötzlich alle ganz still. Und schauen. Das fällt mir besonders bei jungen Leuten auf.


0381: Viele junge Leute besuchen ihre Ausstellungen. Was fasziniert sie wohl an den Fotos, an dieser Zeit, die sie je zum großen Teil nicht mehr miterlebt haben?

Wittenburg: Die junge Generation will sich ein eigenes Bild dieser Geschichte machen. Sie hören Geschichten von ihren Eltern, dann erzählen wieder Oma und Opa etwas und manchmal kriegen sich alle das Streiten. Die alte Generation hat oft noch Propaganda im Kopf, der sie 40 Jahre ausgesetzt war. Denn auch wenn man wusste, dass die Dinge, die einem früher tagaus tagein erzählt  wurden, oft an den Haaren herbei gezogen waren, blieb trotzdem über die Jahre etwas haften. Und heute verklärt sich der Blick häufig, wenn man auf die Vergangenheit blickt. Die jungen Leute spüren das und haben das Bedürfnis, sich ein eigenes Bild der Vergangenheit ihrer Eltern zu machen. Deswegen kommen sie in meine Ausstellungen.


0381: Wollen Sie mit Ihren Bildern eine Botschaft vermitteln?

Wittenburg: Ich wollte immer nur den Alltag darstellen, ohne Propaganda, einfach so wie ich ihn erlebt habe. Ob das nun die Urlauber waren, die in Heiligendamm auf der Mauer standen und sehnsüchtig in die Ferne schauten oder Menschen im Plattenbau, die sich Bretter legten, um trockenen Fußes in ihre Wohnungen zu gelangen. Meine Bilder sind nicht manipuliert und verletzen niemanden.


0381: In den 70er Jahren der BRD gab es den „Aufstand der Kinder“. Studenten und junge Leute gingen auf die Straße und drängten die ältere Generation, sich endlich kritisch mit ihrer Vergangenheit in der Nazi-Diktatur auseinander zu setzen. Warum blieb ein ähnlicher Aufstand der Jugend wohl aus, nachdem die DDR zusammen gebrochen war?

Wittenburg: Jede Generation hat ihre Aufgabe. Und sie sucht sich ihren eigenen Weg, wie die Jugend damals in der BRD. Die junge Generation hat mit Aufgaben zu kämpfen, die es damals nicht gab. Sie müssen sich Arbeitsplätze suchen, manchmal weit weg von zu Hause, sie müssen Familien ernähren und schauen, dass ihre Kinder gesund aufwachsen. Umweltschutz und die Klimaveränderung sind dringende Probleme. Diese können nicht mit Demonstrationen oder Revolutionen gelöst werden, sondern es bedarf einer Haltungsänderung im täglichen Leben.


0381: In manchen Medien und Sendeformaten wird die DDR von Zeit zu Zeit recht verklärend dargestellt und lässt eine kritische Distanz vermissen. Wie schätzen Sie derartige Sendungen ein?

Wittenburg: So etwas wird es immer geben, denn diese Sendungen bedienen eine bestimmte Zielgruppe. Das sind frustrierte und verärgerte Leute, die sich die DDR zurück sehnen. In diese Kerbe wird dann geschlagen, es werden die Blauhemden raus geholt und eine Ostalgie-Sendung entsteht. Diese Phase ist aber so langsam vorbei, finde ich. Denn man weiß mittlerweile immer mehr über das System DDR und kann so diesen Berichten die Grundlage entziehen.


0381: Würden sie sich selbst als einen politischen Menschen bezeichnen?

Wittenburg: Ja, ich denke schon. Ich bin zwar nicht auf irgendwelchen politischen Missionen unterwegs, aber ich engagiere mich gesellschaftlich. Ich wollte zwar nie einer werden, aber ich bin ein Künstler. Und als solcher halte ich meine Nase in den Wind und verarbeite die Signale, die ich bekomme, auf meine spezielle Art.


0381: So wie in Ihrem neuen Buch „Revolution Rostock '89“?

Wittenburg: Genau. Nach all meinen Erfahrungen mit den Fotoausstellungen hab ich irgendwann zu meiner Frau gesagt: So, jetzt ist Weihnachten und Silvester überstanden, es wurde genug gefeiert, jetzt setze ich mich hin und mache ein Buch über '89 in Rostock. Ich kannte ja die Leute und hatte das alles miterlebt.


0381: Wer waren die Menschen, die '89 in Rostock als erstes auf die Straße gingen?

Wittenburg: Das waren nicht die Alten. Es waren meist Studenten und junge Leute. Viele hielten in der Altstadt alte unbewohnte Häuser besetzt, haben dort die Öfen wieder angeschmissen, die Wasserleitungen instand gesetzt und lebten dort sehr alternativ. Das war eine spannende Sache. Diese Leute waren sehr offen und vor allem angstfrei. Sie machten sich über alles mögliche Gedanken - über Freiheit, Naturschutz oder Atomenergie, Tschernobyl war ja zu diesem Zeitpunkt alles andere als verdaut. Diese Leute bewegten sich viel im Kreis der Kirche, haben diskutiert und Andachten gehalten. So ging die Bewegung langsam los.


0381: Sie haben sich mehrmals gegen die Zensur von Fotoausstellungen gewehrt und sind deswegen 1986 zeitweise als „Leiter im künstlerischen Volksschaffen“ entlassen worden. Haben Sie Verständnis für die Menschen, die sich dem System nie entgegen gestellt haben?

Wittenburg: Die Menschen sind ja unterschiedlich. Ich bin sehr durch meinen Vater geprägt, der immer aufrecht durchs Leben ging und sich nie verbogen hat. Das hat auf mich abgefärbt. Aber jeder Mensch ist anders gewachsen, hat eine andere Biografie, hat unterschiedliche Möglichkeiten mit auf den Weg bekommen. Da muss man differenzieren. Deshalb kann ich den Menschen ihre Entscheidungen nicht übel nehmen. Wenn ich im Westen mit Leuten spreche, kommen auch einige auf mich zu und sagen: Ein Glück, dass ich nicht vor gewisse Situationen gestellt war, ich hätte nicht gewusst, wie ich mich entschieden hätte.


Birke Scheffler

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