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Sport

EMPOR: NOMEN EST OMEN

EMPOR: NOMEN EST OMEN

Jun 10

Protokoll einer Dienstfahrt zum Erzrivalen. Es ist früher Nachmittag. Nebel hängt an diesem Pfingstsonnabend über der Stadt. Trübe Aussichten? Hoffentlich kein Omen für unseren Betriebsausflug. Reichlich exklusiv dürfen wir heute mit den Männern des HC Empor Rostock zum Auswärtsspiel beim ewigen Rivalen nach Schwerin mitfahren. Also wirklich mitfahren – im Mannschaftsbus! 

 

Treffpunkt ist der Parkplatz am Neuen Friedhof ... oder war es der Westfriedhof? Gleich hinter Sternwarte hatte Frau Köhler, die charmante Dame aus der Geschäftsstelle des Vereins, gesagt. Wir, das sind der Chef und der Sportredakteur. Und wir fahren nun schon zum zweiten Mal an allen Parkplätzen zwischen Stadion (Fußball, die Älteren erinnern sich vielleicht an weniger triste Zeiten) und Fernsehturm vorbei. "Hast du wen gesehen?," höre ich mich fragen, als plötzlich eine größere Gruppe zur rechten auftaucht. Das müssen unsere Gastgeber sein! Wir fahren auf den Parkplatz und werden sofort von allen begrüßt. Und wir haben uns noch nicht mal vorgestellt. "Ihr seid also die Jungs von der Presse!?" Der heutige Fahrdienstleiter ist also auch schon im Bilde. Irgendwie scheint uns die Anzahl an Spielern zu gering und der Bus trotzdem grade so ausreichend. Prophylaktisch erwähne ich gegenüber Trainer Lars Rabenhorst, dass wir unsere Turnbeutel vergessen hätten. "Rabe" grinst breit, meint dann aber, dass die fehlenden Spieler noch kommen würden und die Jungs von der Physio mit dem eigenen Auto anreisen würden. So langsam trudeln alle ein.
Woran erkennt man, ob man als Journalist bei diesem Ausflug willkommen ist, oder nicht? Richtig, am Händedruck! Irgendwie scheinen wir nicht zu stören. Alle sind höflich und richtig freundlich, so dass kein Handmus zu befürchten ist. Einzig Miroslaw Gudz lässt es ein wenig krachen, aber da er aussieht wie die große und kräftige Ausgabe von Mark van Bommel und lächelt, geh ich mal davon aus, dass er niemandem wehtun wollte. Hat aber nicht geklappt.
Der Bus hat 19 Sitzplätze, steht auf einem Schild, aber so ein Handballer ist ja gerne mal größer als, sagen wir, eine Handballerin. Schnell erklärt man uns, dass sonst immer ein richtig komfortabler Reisebus genutzt werden kann. Aber am letzten Spieltag will man den VIPs, Fans und Sponsoren für die Unterstützung danken, so dass diese in den Genuss des 5-Sterne-Mobils kommen. Nun stellt sich unser Bus schnell als Raumwunder heraus. Ein Spieler nach dem anderen verschwindet – jeder nicht mit der kleinsten Sporttasche der Welt behängt – im Fahrzeug, dazu kommt ein großer Sack mit Bällen, mehrere Kisten Wasser und eine mit isotonischen Getränken, ein Kuchenblech, eine Kiste Sekt und natürlich ein Mannschaftsbetreuer, eine Physiotherapeutin und der Trainer. Als wir in den Bus lugen, sind wir überrascht: tatsächlich lachen uns noch zwei Plätze in der ersten Reihe gleich neben Coach Lars Rabenhorst an. Und Platz für den Fahrer ist auch noch! Und los geht's!
Routiniert steuert der Kapitän unseres Ausflugsdampfers sein Gefährt auf die Autobahn und ebenso schmettert er alle Fragen nach a) Beamer, b) Leinwand, c) Flatscreen und d) Wii ab.
Die Spieler müssen mit dem fehlenden Unterhaltungsprogramm gerechnet haben. Es wird Musik gehört, Zeitung gelesen oder "Zeitung" gelesen, gesmst und geschwatzt.
Trainer Lars Rabenhorst erklärt, dass die Fahrt nach Schwerin natürlich die kürzeste Anreise sei und im Gegensatz zu Reisen nach Ahlen, Bernburg oder Hildesheim überhaupt keine Herausforderung bezüglich etwaiger Sitzstrapazen oder der Überbrückung von Langeweile darstelle. Kollege Chef sammelt digitale Impressionen und da sich aus dem Fenster in den Nebel zu fotografieren nicht lohnt, sammelt er diese von Empor-Spielern in einem Bus. Dann erfahren wir vom Coach, dass dieser mit dem Saisonverlauf ziemlich zufrieden und stolz auf seine junge Truppe ist. Tatsächlich sind nur zwei Mann im Kader über 30, und die Hälfte davon auch nur gerade so. Die wenig erquickende Entwicklung des einst ruhmreichen HC Empor Rostock in den beiden Jahrzehnten nach der Wende, hat bis heute Wirkung auf das Gesicht der Mannschaft. Aber durchaus positive! Nachdem bis Mitte dieses Jahrzehnts so ziemlich alles schiefging, befindet sich der Verein seit etwa zwei Jahren auf dem Weg in ruhigeres Fahrwasser. Ein kleines Team um Manager Holger Schneider und Trainer Lars Rabenhorst zeichnet für die Erfolge dieser Saison verantwortlich. Finanziell sind noch immer keine großen Sprünge möglich, also machte man aus der Not eine Jugend und warf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ins kalte Bundesliga-Wasser. Dies klappte seit dem ersten Saisondrittel ganz hervorragend, so dass man ziemlich früh aller Abstiegssorgen ledig war. Dies war das erklärte Saisonziel, mehr war nie möglich. Nun gilt es, die Truppe zu stabilisieren und Empor in die eingleisige 2. Bundesliga zu führen. Dafür muss in  der kommenden Spielzeit ein Platz unter den ersten Acht erreicht werden. Keine leichte Aufgabe, aber eine, die Rabenhorst sich und seinen Spielern zutraut. Und seine Prognose für das heutige Spiel? "Es wird schwer werden. Zwar können beide Teams nichts mehr gewinnen oder verlieren, aber es ist nun mal ein Derby. Die Rivalität ist also sehr groß und da die Niederlage bei uns für die Schweriner reichlich herb (40:28) ausfiel, werden die noch mal richtig Gas geben. Aber meine Spieler werden sich auch noch mal reinhängen. Die Mannschaftsfahrt nach Mallorca beginnt erst nach dem Spiel!" Mallorca also, der Klassiker. Ohne Trainer! "Das schaffen die Jungs auch ohne mich. Die sind alle jung, die wissen, wie sie Spaß haben." Nun ist der Trainer nicht alt, grade mal 36. Der Busfahrer und noch jemand im Bus sind älter. Vielmehr spricht dies für die Eigenverantwortung der Spieler. "Die Jungs sind alle vernünftig. Machen fast alle eine Ausbildung oder studieren. Einige bauen ihr Abi. Da war es zu meiner Zeit noch etwas anders." Ein kurzes Update und schnell zeigt sich, dass "Rabe" in den gleichen Klubs unterwegs war, wie nicht allzu viele andere im Bus. Mensa, Keller, Meli, ST, das alte LT – ich wusste, wir kennen uns.

Nebelbanken schütten Rendite aus

Draußen ist immer noch nicht viel zu sehen. Man erkent mit Mühe die Ortsschilder von mecklenburgischen Agropolen wie Metelsdorf, Zickhusen und Kirch Stück. Zwischendurch gibt es noch einen Pitstop in Dorf Mecklenburg.
Die Mecklenburg ist Namensgeber für die gesamte Landschaft Mecklenburg und das Land. Und schon lange nicht mehr da! Die Burganlage der slawischen Abotriten wurde bereits 965 in einem Bericht des arabischen Händlers Ibrahim Ibn Jacub als Nakons Burg bezeichnet, die etwa im 5. Jahrhundert entstanden war. Aus Mikelenburg wurde im Laufe der Zeit Mecklenburg. König Otto III. erwähnte am 10. September 995 erstmals urkundlich die Mecklenburg. Sie wurde allerdings 1256 nach mehreren Zerstörungen wieder abgerissen, das Material wurde für den Bau des Fürstenhofs in Wismar verwandt. Nachdem die Burg 1277 für die Schweriner Fürsten noch einmal aufgebaut worden war, wurde sie 45 Jahre später erneut und endgültig zerstört. Tolle Geschichte, oder? Hoffen wir, dass Dorf Mecklenburgs beste Zeit noch vor ihm liegt. Aktuell scheint der Kaffee aus der Mecklenburger Mühle okay zu sein und der Kuchen der jungen Physiotherapeutin lecker. Wenig später rollen wir auf den Parkplatz vor der Schweriner Sporthalle. Als Hobby-Kulturhistoriker sind wir uns einig: sozialistischer Zweckbau, weniger Sitzplätze und Glas als in Rostock.
Die Gästekabine wird in Beschlag genommen, es gibt Kaffee aus DDR-Nutzporzellan und Musik aus den 90ern. Den schlechten. Charlie Lownoise und sein bestenfalls speziell begabter Kumpel Mental Theo!
Auch die Schweriner Handballer treffen nun ein. Man kennt sich, aber wohl nicht so gut, schließlich werden auch wir wie Bekannte begrüßt. Aber wahrscheinlich sind die Hauptdörfler bloß höflich. Das ist auch in Ordnung. Wir verlassen nun die Kabine. Mannschaftsbesprechung, umziehen, noch mal Pinkeln – da braucht es nun wirklich keine Protokollanten. Wir beobachten, wie sich die Halle füllt. Zahlreiche Einheimische haben sich mit Tankstellen-Vuvuzelas vorbereitet. Kleiner Vorgeschmack auf die Fußball-WM. Das wird nicht schön. Viele Schweriner Fans auch nicht.

Ist Ministerin Schwiesig da?

Unter Umständen haben wir die Sozialministerin von M-V gesehen. Ich fand die Verdächtige aber etwas zu preiswert gekleidet. Ebenfalls nicht viel investiert wurde ins Rahmenprogramm dieses Derbys. Nebel und Stroboskop auf Valium, dazu eine 10köpfige und 20zöpfige Cheer-Truppe, die zusammen jünger ist als das 0381-Berichterstatter-Team.
Dann beginnt das Spiel. Typisch Handball: die Schiris, eine Berufsgruppe, die wohl wenig Lebens-, dafür umso mehr Leidensfreude präferiert, macht sich beim Schweriner Publkum beliebt. In der Konsequenz gerät Empor erst in Unterzahl und dann in Rückstand. Dabei bleibt es bis auf eine Ausnahme (9:9) bis zur Halbzeit. Das angekündigte Halbzeitprogramm scheint irgendeinem Rotstift zum Opfer gefallen zu sein. So werden nur ein paar Preise verjuxt. Der Hallensprecher entblödet sich nicht, auf eine besonders tolle Eigenschaft des Hauptpreises, eines Damenrades, hinzuweisen: Es hat einen Ständer. Das Publikum scheint auf diese Einlage nicht vorbereitet gewesen zu sein. Bis auf ein paar "Edelfans" lacht niemand. Dann schwingen Hubert und Mäcky noch mal die Postfahnen und schon beginnt Halbzeit zwo. Auch diese ist schnell erzählt: Sie verläuft genauso wie die erste. Entstand ist 27: 23. Schwerin gewinnt also. Teil eins des Nebelorakels ging also schon mal auf. Die Schweriner Spieler feiern mit ihren Fans und diese mit 1000 Freibieren.
Die Rostocker feiern nicht. Aber mit Rostocker. Auf der Pressekonferenz ist der Trainer mit der Torausbeute seiner Spieler und der Schiri-Leistung unzufrieden. Dafür betont er, dass Platz 5 das beste Ergebnis des HC Empor seit 1996 ist.
Nach dem Duschen, ohne Journalisten, geht es zum Griechen, wo das ChampionsLeague-Finale, das Essen und ein gute Saison genossen werden sollen. Mit Jounalisten.
Jammas Jungs, das habt ihr Euch verdient!

von CHRISTIAN RUTSATZ 


Christian Rutsatz

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