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Das Ehrenamt als Lebenselixier

Das Ehrenamt als Lebenselixier

Aug 10

Die Zahlen rund um die HANSE SAIL sind Jahr für Jahr beeindruckend. Selbst bei schlechten Ausgaben fehlten immer nicht so richtig viele Menschen zur Millionengrenze, die bei den Veranstaltern die Champagnerkorken knallen lässt. Dazu kommen hunderte Schiffe und Boote. Und bestimmt noch mal doppelt so viele Verkaufsstände, Karussells, Bierwagen, Fressbuden und mobile Sanitär-einrichtungen. Kurz, ein Unzahl von Dingen ist zu bedenken und erledigen. Ein Wust von Aufgaben, der ohne den Einsatz vieler Freiwilliger unmöglich zu bewältigen wäre. Stellvertretend für alle ehrenamtlich helfenden stellt 0381 an dieser Stelle Claus Grotjohann vor.

Am vereinbarten Treffpunkt, dem Sail Büro, herrscht auch drei Wochen vor dem Startschuss der Jubiläumsausgabe der HANSE SAIL schon ähnlich geschäftiges Treiben wie in einem Bienenstock. Ständig schwärmen Menschen in das und aus dem Gebäude neben dem Theater im Stadthafen.
Doch inmitten der hektischen Betriebsamkeit scheint es einen Ruhepol zu geben, der alle trotz offenbar dringend zu erledigenden Aufgaben magisch oder magnetisch anzuziehen scheint. Ein Mann in den besten Jahren - weißes Polo, helle Jeans, Segelschuhe, die dunklen Haare silbern durchwirkt – wartet vorm Eingang der HANSE SAIL-Zentrale und jeder, der hinein und hinaus will, scheint ihn zu kennen, aber ganz sicher scheint er jeden zu kennen.
Claus Grotjohann einer derjenigen, die während der HANSE SAIL im Betreuerbüro arbeiten. Dort laufen früher oder später alle Probleme auf, die bei so einer Großveranstaltung nun mal nicht auszuschließen sind: verlorene Kinder, Frauen, Tiere und Taschen, technische Probleme bei Schiffen, verpasste Abfahrtszeiten und Treffpunkte, sowie manchmal eben auch ein Veilchen und das Problem, dies den Eltern bzw. der Liebsten zu erklären.

Man muss Menschen mögen und auch gerne kommunizieren, um diesen Job machen zu können.

Genau diese Dinge sind Claus Grotjohanns Ding. "Die HANSE SAIL ist toll. Ich war bei jeder SAIL dabei und arbeite nun seit 7 Jahren mit. Es macht mir Riesenspaß," erzählt Grotjohann und die Art und Weise, wie er es erzählt ist glaubwürdig und mitreißend zugleich. Es fällt nicht schwer zu glauben, dass Menschen gerne mit ihm reden. Und noch viel weniger ist es umgekehrt der Fall. Der Mann ist ein großer Kommunikator und Organisator. Das weiß er auch und versucht das Beste daraus zu machen. Eigentlich immer erfolgreich. Hektik kann man sich bei ihm nicht vorstellen. "Die bringt einen niemals weiter. Ich hör mir immer die Probleme der Leute in Ruhe an. Wenn sie fertig sind mit ihrer Schilderung geht es ihnen meistens schon besser und dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen und finden oft auch eine." Meist reicht schon ein Telefonat. Oder mehrere. Wie bei den Gästen aus Thüringen, die im letzten Jahr ihre neuen Bekannten und Gastgeber aus Gresenhorst verloren hatten und dann bei Grotjohann und seinen Kollegen aufliefen. Keine Telefonnummer, kein Handy, keine Ahnung, wo das Auto stand. Genau der richtige Job für unseren Mann. Grotjohann, der auch in einem der ältesten Rostocker Chöre, dem seit 120 Jahre existierenden Bäckersinger-Chor, mitsingt, erinnerte sich sofort seines Sangesbruders, der der einzige Bäcker in Gresenhorst ist. Ein Anruf bei diesem brachte in Erfahrung, dass die Gastgeber unseres Thüringer Paares noch nicht wieder zu Hause waren. Ein Fehlschlag? - Von wegen! Statt der schlechten Nachricht, dass die Gastgeber zurück gefahren wären, konnte der Bäckermeister nun mit der Mobilnummer des Paares dienen. So gelang die mecklenburgisch-thüringische Wiedervereinigung binnen 20 Minuten. "Wenn Leute Probleme haben, brauchen sie einen Ansprechpartner. Dafür sind meine Kollegen und ich gerne da. Die HANSE SAIL ist immer größer geworden. Da fallen immer die gleichen Dinge an, aber auch immer neue. Für alle Probleme eine Lösung zu suchen, ist eine große Herausforderung," erklärt Grotjohann und fügt augenzwinkernd hinzu, "eine zu finden, immer ein Riesenspaß und Genugtuung." Hier ein Segler mit Leck, der zu Sinken droht, dort ein Schiff mit gebrochener Antriebswelle. Beiden droht finanzieller Schaden, der in diesem Gewerbe schnell zum Existenzverlust führen kann. Doch auch hier konnte Grotjohann helfen. Seine unfassbar ruhige Ausstrahlung ist bei solchen Sorgen nur beinahe genauso wichtig wie die Vielzahl von Kontakten, die er im Laufe vieler Jahre gesammelt hat. "Wer mit Menschen arbeitet, muss ruhig agieren. Dann knüpft man die guten Kontakte."
Und aus der Ruhe zu kriegen ist Grotjohann auch nicht von Leuten, die ihre gute Kinderstube vergessen haben. Denn natürlich kommen im Sail Büro auch mal pöbelnde Männer und keifende Frauen auch. Auch bei solchen Leuten verliert Grotjohann weder seinen Humor noch seine Manieren, allerdings machen diese Gäste dann Bekanntschaft mit seinem Hang zur Ironie.


"Wenn Leute unhöflich sind, dann kann ich mich auch lange für sie begeistern."

… erklärt Grotjohann. "Wie für die Dame, die nicht akzeptieren wollte, dass sie nicht auf die Mitarbeitertoilette darf. Die wollte partout nicht auf die öffentliche Einrichtungen, die ich von meinem Fenster aus gut sehen konnte. Sie meinte, es wäre ein Notfall und unterlassene Hilfeleistung und dass sie uns verklagen wolle. Allerdings kann der Notfall auch nicht so akut gewesen sein, schließlich stand sie wirklich zwei Stunden ununterbrochen in unserem Raum und schrie Zeter und Mordio! Offenbar hatte sie ihr eigentliches Anliegen längst verdrängt." Solche Situationen weiß er  mit Bärenruhe und Lebenserfahrung zu händeln.
Grotjohann hat in seinem Leben schon viel gemacht und getan: er arbeitete als Schlosser, als Lehrer und zur See gefahren ist er wohl auch mal; nach der Wende baute er für eine Bremer Firma Kfz-Kennzeichen-Stationen auf. Erst in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern, dann im ganzen Osten Deutschlands. Ein Job, bei dem er viel unterwegs war, viele Leute kennengelernt hat und viel gelernt hat über das Leben und das Geschäft und den Umgang mit verschiedenen Leuten.
Heute ist Claus Grotjohann Rentner. Dass diese wenig Zeit haben, ist ein alter Hut. Aber bei Familie Grotjohann ist dies wirklich so. "Unsere Kinder sind schon lange aus dem Haus und die Enkel auch schon groß. Als wir aufhörten zu arbeiten, kamen die Krankheiten. Wenn man träge wird und nichts zu tun hat, geht man ein."
Claus Grotjohann ist 72 Jahre alt, was man nicht sieht, und in Rostock bestens vernetzt, was man schnell merkt. Das Ehrenamt ist sein Metier. Und die Organisation verschiedenster Ereignisse. Mit der HANSE SAIL ist er längst nicht ausgelastet. Da gibt es noch seinen Chor und die Springertage jedes Jahr im Februar. Dazu kommt die Rostocker Marathon-Nacht, die er mit aufgebaut hat, genau so wie den Rostocker Olymp Club und die VIP-Lounge, wo alle Mecklenburger WM- und Olympiateilnehmer verewigt sind. Darüber hinaus wirkt er im Förderverein der Musikschule mit, unterstützte eine junge Musikerin und Greenpeace und fährt im Auftrag von Apotheken Medikamente für ältere Mitbürger aus. So hat sein Tag schon 12  bis 14 Stunden aktive Beschäftigung. Ist dies nicht zuviel? "Nein, ich mache ja nur Sachen, die mir Spaß machen. Da ist ja kein Zwang dabei. Meine Frau und ich können nicht zu Hause sitzen und auf irgendetwas warten. Dafür haben wir beide zuviel Energie. Wichtig ist uns nur das gemeinsame Frühstück. Danach haben wir beide immer was zu tun. Da wird es dann schon mal spät und es gibt einen Anruf: "Wo treibst du dich denn schon wieder rum?", erzählt der äußerst vitale Unruheständler lachend.

"Ruf mich an und sag mir, was du brauchst!"

Dies ist das Motto von Claus Grotjohann, der seinen Computer nach kurzer Testphase in den Keller verbannte. Ihm fehlte die echte Kommunikation. Mit Menschen und für Menschen. Als vor kurzem die Kassebohmer Sporthalle unter tätiger Mithilfe von Grotjohann fertig wurde, wollte die Eigner wissen, wie sie ihm danken könnten. Grotjohann fragte, ob er die die Halle jede Woche für 90 Minuten mieten könnte und organisierte einen Gymnastik-Kurs für Frauen aus der Gegend jenseits der Vierzig.
Doch im August gibt es natürlich nur ein Thema für ihn. "Mit der HANSE SAIL ist auch der Stadthafen gewachsen. Ich bin Rostocker. Ich brauche den Hafen, die Ostsee, die Menschen und meine Tätigkeit mit ihnen. Bewegung und Aufgaben sind mein Elixier. Deshalb arbeiten viele Menschen wie ich ehrenamtlich in dieser Stadt mit. Ohne Ehrenamtler wären 80 Prozent aller gesellschaftlichen Aktivitäten in Rostock nicht machbar."
Deshalb arbeitet Claus Grotjohann nicht nur im Ehrenamt, sondern wirbt auch dafür. Und er wirbt für seinen persönlichen Traum: ein vollständiger Spazier- und Radweg vom Stadthafen bis Warnemünde am Wasser entlang. Die Fertigstellung einer solchen ununterbrochenen Flaniermeile würde er gerne sehen. "Das wäre die perfekte Strecke, auf der Besucher sich ein vollständiges Bild von Rostock und der Bedeutung von Ostsee und Warnow für die Stadt machen könnte. Und für uns Rostocker wäre sie toll, um unsere alte Stadt mal neu zu entdecken."

CHRISTIAN RUTSATZ


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