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ULRICH k. müller

Feb 08

FISHING FOR AUDIENCE

Ein einzelner Mann sitzt am Schreibtisch und führt Selbstgespräche. Währenddessen schreibt er seine Erlebnisse in einem Tagebuch nieder. Im Laufe der folgenden Stunde kann man miterleben, wie er auf seinen Tisch springt, sich in einen Vorhang gewandet, eine Krone aus Federn aufsetzt und royale Träume auslebt - wie der Wahnsinn von ihm Besitz ergreift. Er ist krank, aber er leidet nicht. Der Mann heißt Aksenti Iwanowitsch, ist eine Figur aus der aktuellen Inszenierung "Tagebuch eines Wahnsinnigen" am Theater im Stadthafen, und wird von Ulrich K. Müller gespielt.


Müller gehört seit 2000 zum Ensemble des Volkstheater Rostock, und ist eines der bekanntesten Gesichter des Hauses. Der 42jährige gebürtige Bremerhavener war und ist in zahlreichen Inszenierungen auf den Rostocker Bühnen zu sehen und fühlt sich mittlerweile schon als echter Rostocker. Als der Ruf des Volkstheaters ihn ereilte, zögerte er nicht lange und griff zu. Damals spielte er am Aachener Theater, an dem zur gleichen Zeit die Rostocker Schauspieldirektoren Lachmann und Call ein anderes Stück inszenierten. Diese fragten ihn, ob er sich vorstellen könne, mit nach Rostock zu kommen.

"In dem Moment, als ich dieses Angebot bekam, brauchte ich nicht lange nachdenken, und habe sofort Ja gesagt," erinnert sich Uli Müller, "Ich kannte Rostock schon ein wenig, da mein Bruder nach der Wende fünf Jahre hier gelebt hat und die Niederlassung eines Bauunternehmens hier leitete." Selbst ein "Fischkopp", hat er die Rostocker und ihre Mentalität schnell ins Herz geschlossen.

Seine ersten Eindrücke als Neu-Rostocker bestätigten seine ohnehin positive Einstellung gegenüber der neuen Heimat. Entgegen der landläufigen Meinung, erwiesen sich die Rostocker bei Müllers Erstorientierung bei der Wohnungssuche als freundlich und hilfsbereit. "Ich hatte einen Termin zur Wohnungsbesichtigung. Nun stand ich am Doberaner Platz und schaute wohl etwas unschlüssig in meinen Stadtplan, als mich jemand ansprach und mir dann auch den Weg wies. So kam ich zu meiner entückenden Wohnung mit Kachelöfen, dafür mit ohne Dusche, in der ich noch heute wohne. Ich hole so als sogenannter Wessi DDR-Geschichte nach." Wer sich nun Sorgen macht, sei beruhigt: Herr Müller wohnt freiwillig und gerne so spartanisch, und duschen tut er täglich im Theater.

Auch beruflich fand sich Uli Müller schnell zurecht. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten ("Es war zunächst ein unfreundliches Aufeinandertreffen, ich weiß nicht, ob dies so eine Ost-West-Geschichte war."), die sich binnen zwei Woche auflösten, stand er als Vladimir in "Die Hypochonder" von Botho Strauss auf der Bühne. "Es war aufregend. Ich spielte die Hauptrolle in einer neuen Stadt, vor mir neuem Publikum."

Doch dies gehört zum Beruf, dessen Reiz für Müller in der Reibung von klassischen Texten und der heutigen Zeit liegt. "Wir haben die Möglichkeit, unsere Gesellschaft auf die Bretter zu bringen, das "Heute" in eine Inszenierung einzubauen. Es sind viele interessante Experimente möglich."

Uli Müller kam über den Turnverein zum Theater. Zusammen mit Heino Ferch fing er beim Ballett an, machte dort Akrobatik und Pantomime. So bekam er schon früh die Chance, bei den Salzburger Festspielen und an der Mailänder Scala auf der Bühne zu stehen. Nach der Schule ging er dann an die Schauspielschule nach Stuttgart, wo er ein 4jähriges Studium absolvierte. "Die Bedingungen dort waren toll," erinert sich Müller, "Wir hatten das Glück, dass das Wilhelmi-Theater in Stuttgart ausschließlich von unserer Hochschule bespielt wurde. So war das Studium sehr praxisnah. Richtiges Sprechen, Tanzen, Fechten lernt man nicht im Hörsaal. So ist man immer der Kritik ausgesetzt und lernt auf diese Weise unglaublich viel."

Und dann macht Uli Müller der Beruf auch noch Spaß. "Man beschäftigt sich 24 Stunden mit Psychologie und muss sich für seine Rolle einen Hintergrund schaffen." Dafür macht Uli Müller auch manchmal Milieustudien, besonders gerne am Bahnhof. "Ein hervorragender Ort um Menschen zu beobachten. Es ist sogar schon vorgekommen, dass ich Leuten ein Stück weit gefolgt bin, um herauszufinden, warum sie, wie, wo hingegangen sind." Natürlich kommt es in den Zeiten, in denen ein neues Stück einstudiert wird auch vor, dass man die Rolle mit nach Hause nimmt. Mit diesem Zustand muss die Familie umzugehen wissen. Doch Ulis Familie hat schon eine gewisse Routine in diesen Dingen, da auch seine Partnerin Johanna Weissert, eine Theaterfrau ist und u.a. das "Tagebuch eines Wahnsinnigen" in Rostock inszeniert hat. Ansonsten lebt und arbeitet sie mit den beiden gemeinsamen Söhnen Janek und Louis in Dortmund. Und obschon Uli Müller schon seit acht Jahren in Rostock lebt, ist diese Trennung von der Familie schwierig. Da sind die gemeinsamen Ferien besonders wichtig, und genau das klappt in diesem Jahr nicht. "Aufgrund der unterschiedlichen Schulferien in M-V und NRW, werde ich in diesem Jahr nicht wie sonst mit meiner Familie nach Frankreich fahren können. Das ist sehr schade, doch unser Spielplan lässt es höchstwahrscheinlich nicht zu. So werden es für mich wohl nur Ferien auf Balkonien," erzählt Uli Müller bedauernd. Dies gehört zu den Schattenseiten von Uli Müllers Job, genau wie die unsteten Arbeitszeiten und die miese Entlohnung. "Wenn jemanden die Sehnsucht nach Häuschen, Garten und Eigentum antreibt, ist ihm dieser Beruf nicht wirklich zu empfehlen."

Und doch sagt Ulrich Müller, dass die Entscheidung für den Schauspielerberuf die richtige war. So durfte er schon zahlreiche tolle Rollen spielen, wie z.B. den "Zettel" im Sommernachtstraum, "Hagen" im Nibelungenlied und "Chill" aus dem Dschungelbuch, das im Zoo aufgeführt wurde. Müller liebt an seinem Beruf, dass er die Reaktion seines Publikums sofort sehen kann. "Wir arbeiten nicht im Labor," erklärt er," Zuschauer und Schauspieler sind in einem Raum - es ist ein Miteinander, ein bisschen vergleichbar mit der Atmosphäre im Fußballstadion."

Neben dem Ziel, sich schauspielerisch immer weiter zu entwickeln und weitere persönliche Traumrollen wie "Woyzeck" spielen zu dürfen, treibt ihn auch ein ganz eigener Wunsch an: "Ich bin ein dünner, zappeliger Typ und habe den Traum, ruhig und weise zu werden."

Ob er dies alles in Rostock, wo er seinem Hobby Angeln so gerne frönt und die Sprachkultur der Menschen ("Man lässt sich gegenseitig ausreden.") so sehr liebt, erreichen kann, ist noch offen. "Gute Arbeit wäre immer ein Grund zu gehen, doch so lange wie wir hier in Rostock gute Arbeit machen und machen können, gibt es genug Gründe hier zu bleiben."

Von CHRISTIAN RUTSATZ

 


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