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ALWAYS LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE

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Apr 11

Aufgehängt, nicht angenagelt – gekreuzigt am Osterfest

Man kennt die Bilder. Alljährlich berichten Medien von religiösen Fanatikern, die sich im körperlichen Nachvollzug der Leiden Christi äußerst spektakulär Schmerzen zufügen. Auch in den katholisch geprägten Landesteilen der Philippinen wird man karfreitags Zeuge dieses Märtyrertums. Mit besonderer Vorliebe kasteien sich die Einwohner des Städtchens San Fernando. Sie lassen sich medienwirksam und vor den Augen tausender Touristen ans Kreuz nageln.

San Fernando ist keine typische Touristenstadt. Bescheidene Sehenswürdigkeiten, keine Strände, eine Handvoll spärlich ausgestatter Hotelanlagen: die Stadt ist im Grunde außerordentlich hässlich. An Karfreitag ist alles ausgebucht, klimatisierte Reisebusse blockieren die Einfahrt zur Stadt. Die Straßen sind gesäumt von Schaulustigen, Touristen wie auch Einheimischen. Gegen einen Cent-Betrag werden die erwartungsfreudigen Feriengäste  auf einen mehrere Fußballfelder-großen Platz geführt. Eifrig suchen Amerikaner, Briten, Niederländer und Kanadier nach einem geeigneten Platz, um bei der von Lonely Planet und Medien angekündigten Kreuzigung besonders dramatische Fotos machen zu können. Punkt 12 Uhr geht es los.
Die drei großen Holzkreuze sind auf einem von Vulkanasche bedeckten Hügel eingegraben. Vor 20 Jahren zerstörte hier ein gewaltiger Vulkanausbruch weite Teile von San Fernando. Kleine Stände feilschen um die Gunst der Zuschauer, Handtaschendiebe spähen nach Touristen; das staubige Reisfeld erinnert an einen Jahrmarkt. Überall sieht man uniformierte Soldaten mit vollautomatischen Schusswaffen. Es ist auf den Philippinen üblich, dass Polizeiaufgaben von korrupten Militärs übernommen werden.
Wenige Augenblicke später hinken Männer auf den Rummel, auf ihren Rücken lasten zwei Meter lange Holzkreuze. Einer von ihnen ist der 56-jährige Willie Salvador. In der Jahrhunderte alten Tradition der öffentlichen Selbstgeißelung hat sich erst eine Frau in dieser Region kasteit. Salvador hat keine Familie, keinen Job und lebt auf der Straße. Er ist seit sechs Stunden mit seiner Last durch das Dorf und die Umgebung unterwegs, er nimmt kein Wasser zu sich. Es sind 40 Grad. Bereitwillig zeigt er seine Handinnenflächen: es sind keine Narben zu sehen. Dabei lässt er sich in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ans Kreuz nageln. "Das ist das Zeichen für Gottes Gnade", ist sich der Obdachlose sicher.
Begleitet werden die Nachahmer Christus’ auf ihrem Kreuzweg nach "Golgatha" von Dutzenden Flagellanten, die sich ihre Rücken mit Bambushölzern blutig schlagen. Sie wollen so ihre Sünden vergeben machen. Viele von ihnen verstecken ihr Gesicht unter Stofffetzen. Einige tun dies, damit ihre Nachbarn sie nicht als Sünder erkennen, andere um von jenen unterschieden zu werden, die ihr Gesicht zeigen um ein anerkennendes Lob zu erhaschen. Einige von ihnen legen sich auf die Straßen und werden von den Umsäumenden ausgepeitscht. Am liebsten tun dies Kinder. Doch bevor sich die Haut vom Rücken löst, die senkende Sonne auf dem Fleisch brennt und die zumeist sehr jungen Männer ein reinigendes Bad in einem der umliegenden Flüsse nehmen, werden mit einem Bürsten-ähnlichen Werkzeugen, kleine Wunden in den Rücken gehackt. Besonders wagemutige Selbstauspeitscher lassen dies mit Glaszacken über sich ergehen. Dies soll Blutblasen unter der Haut verhindern. Für die Selbstauspeitscher gibt es später an diesem Tag offiziell ein paar Schnäpse.
Dann kommt der Augenblick, auf den das Publikum sehnlichst gewartet hat. Per Megafon bittet ein Sprecher die Zuschauer um Ruhe. Die ersten drei Gläubigen bahnen sich ihren Weg durch einen von Drahtzäunen gesicherten Gang durch die Masse der, nach offiziellen Angaben, 18 000 Zuschauenden. Blitzlichtgewitter, ansonsten Totenstille, als die drei mit roten Seidenbändern an die Kreuze gebunden werden. Erst anschließend kommt es zur eigentlichen Geißelung.
Eingehüllt in ein römisches Soldatengewand schlürft ein Mann barfüßig heran. Es waren die Römer, die Jesus Christi hinrichteten. Den Henkersknecht spielt in diesem Fall Elmar Mabuto. Er verfügt über keine medizinische Ausbildung, er ist einfacher Zimmermann. Dafür macht er das was er tut, seit Jahren und das mit größtmöglicher Gewissenhaftigkeit. Der Familienvater holt weit aus, wenn er publikumswirksam Körperteile der Gläubigen durchstößt. Dabei stößt er Nägel in die Hände, bei ausdrücklichem Wunsch der Frömmler auch in deren Füße. Die etwa 12 Zentimeter langen Nägel werden zwischen die Sehnen und Knochen der Hände und Füße geschlagen, die Gliedmaßen werden dabei nicht durchstoßen.
Schließlich stemmen ein halbes Dutzend Sekundanten die Gekreuzigten in die Luft. Es gibt eine kleine Fußsteige, die Arme werden von den roten Seidenbändern gehalten, niemand hängt am Kreuz. Salvador verzieht keine Miene, niemand der insgesamt 15 Selbstgeißler jammert.  Zwei, sieben oder zehn Minuten erdulden die Männer so die Qualen Christi. Danach werden die Gekreuzigten in ein provisorisches Erste-Hilfe-Zelt getragen, in dem sie sich nach der medizinischen Erstversorgung bereitwillig von Presse und ausländischen Touristen fotografieren lassen.
Doch wie dramatisch diese Szenen auch erscheinen mögen; sie sind Bestandteil eines Schauspiels. Viele der anwesenden Einheimischen sind überzeugt, dass sich nur die wenigsten der Männer selbstauferlegt an diesem Nachmittag ans Kreuz haben schlagen lassen. Sie sind simpel "von der lokalen Tourismusbehörde gekauft" worden. Für den Beobachter Felipe Soriano steht fest: "Die Philippinen sind berühmt für ihre fanatischen Gläubigen. Doch diese gibt es in Wahrheit nur vereinzelt. Von den Flagellanten sind nahezu alle von den Organisatoren im Vorfeld angeheuert worden." Der pensionierte Offizier erklärt weiter: "Die dafür angereisten Besucher spülen Geld in die leeren Kassen unserer Provinz." Der Vulkanausbruch war nicht die einzige Naturkatastrophe, die die Provinz ereilte.
Auch Salvador musste am Vortag einen Vertrag unterschreiben, der ihn dazu verpflichtete, auch tatsächlich an der Aufführung teilzunehmen und anschließend keine weiteren Rechtsansprüche an die Veranstalter zu stellen. Eine professionelle medizinische Versorgung gibt es schließlich nicht, die verletzten Gliedmaßen werden notdürftig mit weißen Tüchern verbunden. Darauf angesprochen, antwortet er: "Ich wurde dafür nicht bezahlt. Ich tat es, weil es mein Glauben ist. Gott sprach zu mir." Glaubt man Felipe Soriano, so brachte dieses touristische Großereignis 2000 philippinische Pesos, umgerechnet etwas mehr als 30 Euro, in die nun verbundenen Hände der Gekreuzigten. Dieser Betrag entspricht etwa dem monatlichen Durchschnittseinkommen der meisten Filipinos.

Annelie Naumann


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