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Junges Gemüse – Die Gartenbrigade legt los

Junges Gemüse – Die Gartenbrigade legt los

Jun 11

Irgendwo wehen an einem Fahnenmast drei Flaggen: der Union Jack, darüber die australische Flagge und ganz oben das gute schwarz-rot-güldene Tuch, allerdings mit Hammer, Sichel und Ährenkranz darauf. Wir befinden uns in einer Kleingartenanlage am Stadtrand Rostocks. Sie trägt den Namen "Warnowblick" und in ihr reiht sich eine grüne Parzelle an die andere. Morgens um neun ist hier alles ganz friedlich, nur einige Opas tragen bereits diverse Arbeitsgeräte umher.

 

Mittendrin stehen drei junge Frauen, die gerade sowohl aus dem Bett, als auch der Stadt heraus und in die weißen Gartenstühle hinein gefallen sind. Nicht einmal 15 Minuten dauert es mit dem Fahrrad von der Wohnung in der Altstadt bis zu diesem suburbanen Ruhepol. Wenn man am Weißen Kreuz abgebogen ist, dann muss man nur noch den Berg bis zu seinem Gipfel hinauf fahren, um ein Stück Kuchen und Kaffee aus der Thermokanne gereicht zu bekommen. Der Garten ist kein Erbstück und gehört weder Eltern noch Bekannten der Frauen. Es ist ihr Garten. Sie haben ihn zu viert im April dieses Jahres gekauft. Ob sie damit zu einer aussterbenden Art gehören oder eher eine neu kultivierte Sorte sind, weiß man nicht. Wahrscheinlich ist es Fränze (26), Barabara (25), Theresa (27) und Anne (27) auch schlichtweg egal. Ihre Parzelle ist 400 m2 groß und eine von 255 weiteren in der Neubrandenburger Straße. Hinter dem rostigen Tor und der eindeutig zu hohen Hecke wird der Blick frei auf Beete, die erste Keime und Früchte von Erbsen, Erdbeeren, Radieschen, Möhren, Kohlrabi, Blumenkohl, Kartoffeln und mindestens einhundert Salatköpfen dem Sonnenschein preisgeben.

0381-MAGAZIN: Wie kam es denn dazu, dass ihr euch zusammen einen Garten gekauft habt?
Fränze: Diese Idee haben wir schon einige Jahre. Wir wohnen zusammen in einer WG und haben immer mal wieder nach einem geeigneten Garten gesucht. Freunde von uns haben sich hier kürzlich auch einen gekauft und dann kamen wir erst auf diese Anlage. Vorher kannten wir die auch gar nicht.
Barbara: Da hing dann hier im Glaskasten am Eingang ein mit Schreibmaschine geschriebener Zettel. Die "4" ging wohl nicht, die war immer extra dazu gemalt. Jedenfalls haben wir uns dann einige angeschaut. Preislich war da alles vertreten bis hin zu 2100 EUR. Aber wir sind froh, diesen hier für 300 EUR bekommen zu haben.
Resi: Im Preis waren sogar alle Gartengeräte enthalten, von denen wir versehentlich ein paar schon wieder kaputt gemacht haben. Außerdem bekamen wir die schönen Möbel im Haus, sowie das tolle Radio aus der ehemaligen DDR. Für das Geld war es schon viel mehr als wir erwartet hatten, ein Schuppen für Geräte hätte uns auch gereicht.


0381-MAGAZIN: Und wie ist es so als Gartenbesitzer?
Barbara: Also, wir freuen uns. Natürlich ist hier alles ein bisschen wilder und es musste dann im April auch ziemlich schnell gehen. Die Dinge mussten in die Erde. Bei unseren Nachbarn sieht es natürlich anders aus, da sind sogar die Wege geharkt und irgendwie sind deren Früchte größer als unsere.
Resi: Das liegt bestimmt am Düngen. Der Vormieter hat übrigens gesagt, dass er Rinderdung untergegraben hat und dabei etwa vier Mal erwähnt, dass man keinen Pferdedung vernehmen soll.
Fränze: Ich habe den Rasen gemäht, als der Löwenzahn in voller Blüte stand. Da haben die Nachbarn schon ein wenig panisch geguckt.

0381-MAGAZIN: Mit wie viel Pacht muss man im Jahr rechnen?
Resi: Also das beläuft sich mit Strom und Wasser auf etwa 100 EUR im Jahr. Man kann aber auch bei verschiedenen Arbeitseinsätzen hier in der KGA mitmachen und das abarbeiten. Die "entlohnen" mit 7,50 EUR die Sunde. Man wird also nicht arm mit so einem Garten.

0381-MAGAZIN: Habt ihr romantische Kindheitserinnerungen an einen Garten?
Fränze: Wir sind schon alles Kinder, die Eltern mit einem Garten auf dem Grundstück gleich neben dem Haus hatten. Und schön war das damals, das stimmt schon.



0381-MAGAZIN: Seid ihr denn Experten oder warum könnt ihr so einen Garten kultivieren?
Barbara: Nein, wir sind bestimmt keine Experten, aber so schwer ist es nun auch wieder nicht. Auch wenn unser Rhabarber vielleicht kleiner ist als der unser Gartennachbarn, welcher zugegeben nur einen Meter daneben steht, können wir immer noch jemanden fragen oder einfach nachlesen.
Fränze: Stimmt, es gibt so viele Tricks gegen das Ungeziefer, wenn man z.B. Knoblauch dazwischen setzt oder natürliche Anti-Schnecken-Pflanzen. Klar, wir haben viele Ameisen und beim Buddeln findet man immer wieder Wühlmäuselöcher, aber wir haben auch kein Interesse, hier irgendwelche Tiere zu töten. Es gibt genügend verwilderte Ecken hier, wo wir einfach Blumenmischungen hingesäht haben, vielleicht gefällt es den Tierchen ja in den Ecken.

0381-MAGAZIN: Musstet ihr denn viel investieren?
Resi: Nein, überhaupt nicht. Nur die Samen haben wir irgendwann mal im Internet bestellt. Es sind alles Bio-Samen und die Pflanzen sind ganz alte und traditionelle Sorten. Unsere Bohnen heißen zum Beispiel "Quedlinburger Speck". Außerdem bekommt man ganz viel geschenkt, z.B. Zwiebeln von gegenüber und Freunde brachten uns auch einmal vier Erdbeerpflanzen aus Kassel mit. Wir haben einfach alles angepflanzt, was wir gern essen. Ich freue mich schon darauf, ein paar Kräuter einzufrieren. Letztlich glaube ich, dass man viel Geld sparen kann.
Fränze: Das denke ich auch, daher haben wir auch gleich zwei neue Regentonnen gekauft, die alten waren schon dezent verrostet.

0381-MAGAZIN: Was sagen denn eure Eltern dazu?
Fränze: Meine Mutter hat den Garten und vor allem unser Haus noch nicht gesehen. Als ich ihr am Telefon erzählte, dass wir einen Garten haben, hat sie laut gelacht. Sie meinte, dass ich damals im Garten nie irgendetwas gemacht habe. Da hat sie auch ein bisschen recht. Ich kümmere mich hier auch eher um die Reparatur von Dingen und werde ein bisschen Unkraut zupfen.
Resi: Du, die Schubkarre ist übrigens immer noch kaputt.

0381-MAGAZIN: Wie geht es mit dem Garten weiter, wenn ihr Rostock irgendwann verlassen müsst?
Barbara: Wir würden ihn dann gern so WG-mäßig weitergeben, also praktisch immer einen Nachmieter suchen. Es wäre schon toll, wenn sich auch andere Studenten dafür begeistern könnten. Der Kleingartenanlage fehlt es auch definitiv an Nachwuchs. Es gibt ab und an mal einige Kinder hier, aber wir haben festgestellt, dass es oft die Enkel der Gartenbesitzer sind. Ich kann mir auch vorstellen, dass es mit einem Job und Kindern und den anfallenden Arbeiten im Garten echt eng werden kann. Stress soll es ja auch nicht sein, aber vielleicht ist es gar nicht verkehrt, sich einen Garten zu teilen.
Fränze: Richtig, letztlich wollen wir hier auch keinen missionieren oder nur schwer schuften. Es ist ein Sich-Ausprobieren und letztlich die Freude darüber, was man mit den eigenen Händen alles so machen kann. Natürlich ist dies auch einfach ein schöner und zugleich sozialer Ort, an dem man sich wohlfühlen kann. Und wir sind wohl das beste Beispiel dafür, dass sich auch junge Leute an einem vermeintlich biederen Ort wohl fühlen und von den alten Hasen gar willkommen geheißen werden.

 

Gesine Schuer


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