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19:00
Familienfest „Zauberhafter Jahrmarkt
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Live:  FRITZ KALBRENNER und JORIS
 
Fritz Kalkbrenner „Drown“
(Label: Different Spring)  
 
Mit seinem fünften Album setzt Fritz Kalkbrenner einen Schnitt. Zum ersten Mal kommt ein Album von ihm ohne seine Stimme aus. Er macht sich frei von dem Song-Ansatz, mit dem er bekannt wurde und schwelgt in der klangverliebten House Music, die er als junger Mann in der Clubszene Berlins entdeckte.  
 
Mit Get A Life oder Back Home hat Fritz Kalkbrenner unser modernes Verständnis von elektronischer Musik mitgeprägt. Die sinnlichen House-Grooves verkörpern den Hedonismus Berlins. Bei aller Feierfreudigkeit ist in seiner Musik aber auch eine bestimmte Schwere spürbar. Seine Songs handeln von der unermüdlichen Energie einer Stadt, die eine gewisse Melancholie nie abstreift. Wo andere im Partyspaß aufgehen zeigt Fritz sich in seiner Musik in allen Gemütslagen.  
 
So entsteht eine Tiefe, die eine ganze Menge von Themen aufscheinen lässt, die oft nur indirekt anklingen: seine Kindheit und Jugend im rauen Osten Berlins, die ihm seine Gewitztheit und seinen Humor verpasste, seine Begeisterung für Hip Hop und House Music, seine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die ihn zum Repräsentanten einer neuen Generation von Clubmusik machte, die inspirierende Beziehung zu seinem Bruder.   
 
Fritz stand am Rand der Bühne des längst geschlossenen Clubs Maria am Ostbahnhof und starb tausend Tode. Freunde hatten ihn genötigt, bei ihrem House-Act live zu singen. Das ist viele Jahre her, Fritz versuchte in der Musikszene Fuß zu fassen. In Berlin tobte der Techno, und er fühlte sich da außen vor. Die Rigidität der Technoszene stieß ihn ab, er liebte Hip Hop und House. Der Produktionsansatz von Hip Hop lag ihm auch mehr, erklärt er: „Samples verbiegen, mit 75 Sachen verschneiden und zusammensetzen - aber mit House Grooves.“ J.Dilla war ein Ansporn, Romanthony ein anderer.  
 
Lange fehlte ihm der „letzte Schubs“, wie er sagt, die Überzeugung, dass die Musik sein Beruf werden könnte. Dann produzierte er mit seinem Bruder Sky & Sand. Über Nacht trat Fritz auf der ganzen Welt auf und faszinierte die Fans mit seinen subtilen Klanggebilden und seinem gefühlvollen Bariton. Seine Kreativität war entfesselt, in sieben Jahren produzierte er vier Alben. Beim ersten ging es darum, die unterschiedlichen Einflüsse zu versöhnen, die maschinellen Grooves und die gesampleten Gitarren. Da waren aber keine Harmoniewechsel möglich. „Denn du hast diese Gitarren nicht. Also baust du keinen Break oder Kontrapunkt. So geht das dann immer weiter. Irgendwann hieß es dann: Ob wir nicht doch mal jemanden einladen sollten? Ein bisschen Kleingeld war ja dann auch da. Dem Musiker kannst du dann sagen: Nee stop, hier bitte runter.“  
 
Auf dem dritten Album kam „die ganze Horn-Sache dazu. Das fand ich immer super. Da kommt es sehr auf den Appeal an, wie man das einsetzt. „Mister Saxobeat wollten wir nicht sein.“, lacht er: „Ich habe die Musiker immer genötigt, melancholische Harmonien einzuspielen, um das dann mit der Kraft der Produktion zu unterfüttern. House-Mukke ist immer noch nichts Lustiges. Das wissen die da draußen bloß nicht.“
 
Auf dem vierten Album nähert Fritz sich seinen zentralen Themen von Aufbruch und Rückkehr nochmal von einer spielerischen, doppelbödigen Seite und schließt damit einen Entwicklungsstrang ab: „Durch die ersten vier Alben zieht sich ein roter Faden“, erklärt er: „Das Versöhnen der beiden Lager hat immer höhere Kapriolen geschlagen. Irgendwann kommst du auf ein Treibsandplateau. Du hast dir einen Werkzeugkasten zusammengebaut. Danach hast du das Problem, dass alles weitere Reprise von etwas ist, was du schon mal gemacht hast.“ So spürte Fritz, dass ein Endpunkt erreicht war. Und es war erstmal nicht klar, wie es jetzt weitergehen sollte: „In der Beliebigkeit oder im Pomp wollte ich nicht enden. Wo man sagt: da hätten auch 18 Spuren weniger gereicht. Da hat es geklemmt. Dann sitzt du dann da und bist genervt und frustriert. Dann sagte ich: OK, dann kehren wir doch mal zu dem Kern der Sache zurück.“  
 
Fritz hat nie wie die meisten Singer-Songwriter erst einen Text geschrieben und dann dazu den Song komponiert. Bei ihm kommt, wie bei den meisten Rappern, immer erst die Produktion und dann der Text. „Da existieren dann so Fragmente, die man sich da so raufbiegen kann. Aber bei manchen Sachen passt das einfach nicht. Wenn Du so einen richten Stomper hast, musst du nicht auf Teufel komm raus einen Text dazu suchen. Da habe ich gesagt: Scheiß drauf, das mach ich jetzt nicht mehr.“
 
Also holte Fritz seine alte Drum Machine und den Jupiter 8 raus und tauchte in die Sounds ein, die ihn vor zwanzig Jahren zur elektronischen Musik brachten. Am Anfang seiner Karriere ging es darum, sich selbst durch einen neuen Ansatz zu definieren. Jetzt feiert Fritz die Klänge und ihre befreiende Wirkung auf unser Bewusstsein. Fritz wäre nicht Fritz, wenn da nicht auch eine Portion Zweifel im Spiel wäre: „Man muss sich dann hinstellen und sich fragen: Kann ich damit leben? Find ich das gut? Oder geht es hoffentlich in einem Jahr vorbei, und wir haben nicht drüber geredet?“
Diesen Neuanfang, der zugleich eine Besinnung auf die eigenen Anfänge und die eigene Herkunft ist, zeigt Fritz auch dadurch an, dass er sich zum ersten Mal nicht auf dem Albumcover zeigt. An die Stelle seines Portraits ist ein tolles, stimmungsvolles Landschaftsbild getreten. Die Pinselstriche formen sich zum Ufer eines Sees oder eines Flusses, sie sind abstrakt, drücken aber so umso mehr aus. Es stammt von Fritz´ Großvater, dem berühmten DDR-Maler Fritz Eisel, es heißt „Winterabend in M.“ und ist 1990 entstanden. Da war Fritz neun Jahre alt.  
 
Fritz Kalkbrenners’ Zweifel ist in der Musik nicht hörbar. Vielleicht funktioniert die Unsicherheit als Filter, der dafür sorgt, dass nur die Sounds auf dem Album auftauchen, zu denen Fritz eine echte, emotionale Verbindung hat.  
Das Album „Drown“ beginnt spielerisch: Die flirrende Hookline von Enter ist an einem Zupfinstrument entstanden, in dem Daumenklavier und Kalimba verschmolzen sind. „Das ist auch ein Spielzeug, mit dem sich Kinder in den Schlaf spielen können.“, erklärt Fritz. Hier führt es uns in die so fremdartige wie faszinierende Welt der elektronischen Klänge ein. Bei Ride bricht aus einer sanft wogenden Bassline ein Break mit schrillen, verstimmten Orgeltönen hervor. „Dieser Handgriff ist nicht neu, aber er funktioniert wie sau. Gerade auf der ADE ausprobiert.“, lächelt er. Das Interlude 3 ist ein Spalter, es zeigt an, dass wir uns auf einem Album befinden und nicht auf einer Maxi oder einem DJ-Mix. Bleed ist ein ganz klassischer House-Track. Fritz hat dabei an das legendäre Mainstreet-Projekt aus den späten Neunzigern gedacht. Dubbige Sounds erzeugen eine Körperlichkeit, schmetternde Claps und schrille Chords bilden ein Gegengewicht. Mit dem bedächtigen Drown steigt Fritz noch tiefer in die dubbigen Klänge ein. In einem der schönsten Momente des Albums verliert sich der Track am Ende in einem driftenden Phasen-Feedback. Interlude 1 löst diese Spannung auf, um die Bühne für ein neues Kapitel freizumachen. Mit den Xylophonen von Run bringt Fritz eine Zärtlichkeit ins Spiel, die subtil im Hintergrund gehalten wird. „Die Bläser sind eine Reminiszenz an die alte Produktionsphase. Ich wollte sie prominent einsetzen.“, merkt er an: „Aber Chopstick und Johnjon sagten: Drop die erst ganz am Ende. Das ist eigentlich Poser-Gehabe, wenn man ehrlich ist. Kommt man aber nicht drum rum.“, lacht er. Dann öffnet sich der Klangraum, die Tracks werden trippiger: Bei Lose werden krachige Industrial-Sounds von einer melancholischen Melodie getragen. „Man kann nicht aus seiner Haut raus. Happy hat mir nie gelegen.“  
 
Burn ist eine puristische Nummer, ein paar Claps, eine Bassline, die zentrale Figur wurde live aufgenommen mit einem einzigen Synthesizer. „Da wird fünf Minuten nur das Thema gefeiert.“, sagt Fritz: „Es gibt Nummern von früher, da läuft das so durch. Danach ist man künstlerischer geworden: wir gehen hoch, wir gehen runter. Dann kommt ein schönes Break, dann kehren wir mit der ganzen Kraft zurück. Kannst du aber eine Spannungskurve mit einem einzigen Element aufbauen? Dann hast du die Überlegung, ob das zu wenig ist. Am Ende habe ich gesagt: Nee, ist es nicht. Die Abwesenheit einer greifbaren Dramaturgie verhindert, dass man sich von der Nummer lösen kann: so fiebert man mit den Sounds. Nur sie können einem sagen, was als nächstes passiert.  
 
Dann schwenkt Fritz ins Finale ein. Fall ist ein hymnischer Track, die Spuren schrauben sich auf unberechenbare Weise ineinander. Fritz will weg vom „Klangklötzchen-Schieber-Fieber“, vom endlosen Editieren am Bildschirm, hin zu einer Spontanität, die in live aufgenommenen Spuren für den Hörer erlebbar wird. Bei Seek können wir uns fallen lassen. Aus den verhallenden Orgelklängen meint man Fritz Stimme herauszuhören. Ein magischer Moment. Mit der Abschiedsnummer Play bringt Fritz sein Verständnis von Clubmusik nochmal auf den Punkt: man steht ganz allein auf dem Dance Floor und ist durch die Musik doch mit der Welt verbunden.  
 
Auf dem Weg zu diesem Album musste Fritz mit sich ringen. Seine Stimme hat ihn erfolgreich gemacht. So ist es keine Frage, dass er sie an einem Moment hinter sich lassen musste, um zu sich selbst zu finden. Aus diesem Ende macht er einen Anfang. Was als nächstes kommt, weiß niemand. Nicht mal er selbst.  
 
Alexis Waltz, Berlin 2017

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