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Musik

Interview: Deichkind

Interview: Deichkind

Feb 12

Die Welt steht Kopf. Als wäre die französische Revolution nie passiert, ist von allen Menschen denen dort oben am wenigsten zu trauen. Höchste Zeit, sich allen Imperativen der entfesselten dunklen Mächte zu verweigern. Vergiss Aktien- und Wechselkurse. Verbrenn dein Portfolio. Mach den Tag zur Nacht. Faustregel: Ab jetzt wird nicht mehr oben sondern unten nach Antworten gesucht.
Das fünfte Album von DEICHKIND folgt dem Gebot der Stunde und verspricht bereits im Titel eine radikale Zäsur: "Befehl Von Ganz Unten".
Für die Sarrazin-Jugend die Hölle, für den dissidenten Rest ein knallbunter Möglichkeitsraum, erweist sich mit diesem Album das Unten als äusserst produktiver Befehlsstand. Zwischen Unterschicht und Untergrund versteckt sich genug intelligentes Leben, um damit ganze Kontinente zu retten. Kein Buch macht das derzeit deutlicher als "Befehl Von Ganz Unten". Dabei lesen sich die Songtitel wie Kapitelüberschriften: "Illegale Fans" kämpfen wie Rebellen gegen das Imperium; Philosophie und Selbstgeisselung kulminieren in einem universellem "Leider geil"; mit der sarkastischen Parole "Bück Dich hoch" bekommen Karrieristen einen unverdient grandiosen Schlachtruf ... und das ist nur der Anfang!
"Befehl Von Ganz Unten" erscheint am 10.02.2012, ab dem 01.03.2012 gehen DEICHKIND auf ausgedehnte Tour. Das neue Material und ein generalerneuerter Bühnenaufbau versprechen nicht weniger als eine euphorische Totalverwirrung. Vielleicht bewahrheitet sich dann die alte Boxer-Devise: "Wenn wir unten sind, ist unten oben."

01.03.2012 · 20.00 Uhr · Stadthalle

 

0381-MAGAZIN: Mit eurem neuen Werk führt ihr einen "Befehl von ganz unten" aus. Was genau besagt dieser?
Kryptik Joe: Wir haben unseren Tour-Manager immer dafür ausgelacht, weil er auf Festivals an einem Abend für Deichkind und Tocotronic arbeitete, was zu einer Rivalität zwischen beiden Bands führte. Eine Nummer von uns hieß "Die Toco Die!". Darauf reagierten Tocotronic dann mit "Ich verabscheue euch wegen eurer Kleinkunst zutiefst". Wir hatten extra was Neues geschrieben und die lahmen Indie-Penner haben einfach nur eine alte Nummer recyclet. Unser Tour-Manager meinte, dass Deichkind krassere Hierarchien hätte als Tocotronic. Deshalb wollte er gern mal einen kleinen Aufstand initiieren. Das hat er "Befehl von ganz unten" genannt. Aber er ist damit kläglich gescheitert. Wir haben uns dann die Überschrift unter den Nagel gerissen und sie einfach als Albumtitel benutzt. Damit fahren wir auch sehr gut.
Tino Turner: Ich persönlich würde Tocotronic als nächstes eine Instrumentalplatte empfehlen, weil es bei denen mit den Texten echt nachgelassen hat.
 
0381-MAGAZIN: Wer ist bei Deichkind der Chef und wie ist die Band-Hierarchie aufgebaut?
Tino Turner: Wir hier sind die Band-Chefs. Wir sind sozusagen der Tower in Frankfurt und unser Tour-Manager ist eine Filiale in Plön. Wir sitzen hier in Berlin und trinken mit dir Champagner, während in Hamburg gearbeitet wird. "Befehl von ganz unten" ist inspiriert von den Occupy-Wall-Street-Protesten in New York. Das Geschehen in der Welt trägt sich halt hinein bis in die Band-Spitze. Wie Stromberg es in einer Folge mal erklärt hat: Oben in der Pyramide ist wenig Platz und unten ganz viel.
 
0381-MAGAZIN: Wie viel kreatives Potenzial steckt in der Band-Spitze?
Kryptik Joe: Wir stellen jetzt für sehr viel Geld sogenannte OmniPods in die Show rein. Die wurden natürlich von den anderen nach unseren Vorgaben gebaut. Sie bestehen aus Aluminium und Holz und sind ausgestattet mit Elektromotoren und Rädern, die wir über Sensoren in alle Richtungen steuern können. Auf dem Bühnenboden liegt ein synthetischer Teppich, in den Codes eingeätzt wurden. OmniPods haben wir auch früher schon benutzt, aber jetzt sind sie noch größer, und zwar bis zu 4,50 Meter hoch. Auf diese Elemente können wir sogar drauf steigen. Damit können wir auch dem Publikum einen Spiegel vorhalten oder sie als Projektionsfläche für Videos benutzen.
 
0381-MAGAZIN: Wollen Deichkind dem Gigantismus der Konzertbühnen neue Maßstäbe verleihen?
Kryptik Joe: U2 haben 200 Trucks. Wir sind jetzt mit insgesamt drei unterwegs. Mehr sollen es auch nicht werden, weil die Kosten unglaublich hoch sind. Unsere Tour-Managerin war letztens beim Rammstein-Konzert in Hamburg und hat da ein bisschen spioniert. Die sind mit 19 Trucks unterwegs.

0381-MAGAZIN: So gewaltig, so überdimensional und futuristisch wie heute war Deichkind nicht immer. Wie hat es mit euch angefangen?
Kryptik Joe: Am Anfang gab es nur die rote Kiste, die wir zu diesem Interview einfach mal mitgebracht haben. Ein Song auf dem Album ist ihr gewidmet. Sie hat für uns musealen Charakter. Der Befehl von ganz unten kam quasi aus dieser roten Kiste. Was die Kiste uns sagt, wird getan. Man kann ja nicht einfach stehenbleiben, man muss immer weitergehen.

0381-MAGAZIN: Müssen Konzerte eigentlich immer so teuer sein?
Tino Turner: Bei dem ganzen Wahnsinn haben wir es immer noch geschafft, den Ticketpreis bei 30 Euro zu halten. Bei der Sache gehen wir fast mit Null raus. Einige Acts, auch deutsche, greifen richtig ab. Bei denen kostet ein Ticket 50, 60 Euro. Die hängen drei Vorhänge auf die Bühne und das war’s dann. Zu uns sollen auch Leute kommen können, bei denen der Euro nicht so locker sitzt. Wer keine Kohle hat, muss sich unsere Platte nicht kaufen. Der soll sich das Ding runtersaugen.
 
0381-MAGAZIN: Jan Delay übte kürzlich scharfe Kritik am Abmahnwesen bei illegalen Downloads. Er behauptete, das Geld werde unter den Anwälten und den Plattenfirmen gesplittet. Die Künstler sähen davon nichts. Könnt ihr das bestätigen?
Tino Turner: Wir sind Typen, die sich über solche Dinge wenig Gedanken machen. Die Zeiten sind so wie sie sind. Nichtdestotrotz haben wir darüber einen Song gemacht, "Illegale Fans". Ich mag Jan wirklich gerne, aber ich fand es ein bisschen low, dass er im Nachhinein zurückgerudert ist und sich für seine Äußerungen entschuldigt hat. Die Eier muss man schon haben. Ich meine, wir sind ein Major-Act und rufen zum Downloaden auf. Die Gesichter unserer Plattenfirmenleute waren uns egal. Musik ist nicht der Glaskasten mit den heißen Büromäusen. Musik ist ein Gefühl und kein Produkt, das verkauft wird. Illegale Downloads bedeuten nicht das Ende des Musikbusiness, es entstehen ja dadurch auch wieder neue Sachen.
Ferris Hilton: Mir wurde erzählt, dass Jan Delay eine Entschuldigung schreiben musste, weil seine Darstellung so nicht stimmte. Angeblich werden von solch einem Geld auch die Produktionskosten getragen. Der Künstler soll indirekt schon etwas von den Abmahnungen haben.
 
0381-MAGAZIN: "Illegale Fans" ist ein Song über Musikpiraterie. Weshalb kommt ihr hier nicht mit dem moralischen Zeigefinger daher?
Kryptik Joe: Ich freue mich, wenn Kids mein Album kaufen, verklage aber keinen, der es runtersaugt. Wenn unsere Plattenfirma das macht, kann ich es allerdings nicht verhindern. Den Vertrag bin ich natürlich eingegangen. Ich weiß darüber einfach zu wenig Bescheid, ob das Geld nun bei mir landet. Ich persönlich habe noch nie Lizenzgelder bekommen. Die werden immer mit den Vorschüssen verrechnet.
 
0381-MAGAZIN: Verkauft Deichkind viele Platten?
Tino Turner: Von unserem letzten Album haben wir offiziell 70.000 Stück verkauft. Die illegalen Downloadzahlen gehen wahrscheinlich in den Millionenbereich. Wenn wir so fett sind wie Lars Ulrich, dann kann man mal Napster verklagen. Aber im Moment bin ich mit anderen Sachen beschäftigt, als irgendwelche Teenies in die Kriminalität zu treiben. Das Gute an der momentanen Entwicklung des Musikbusiness ist, dass Casting-Acts spätestens nach einem halben Jahr wieder weg sind.

0381-MAGAZIN: Hand aufs Herz: Wollen im Musikbusiness nicht alle das ganz große Geld verdienen?
Kryptik Joe: Natürlich wollen wir auch Geld verdienen, aber wir gehen auch gern mal ins Risiko. Wir hätten auch einfach die bisherigen Einnahmen aus Plattenverkäufen untereinander aufteilen und vier Jahre lang auf Tour gehen können, bis wirklich keiner mehr kommt und sämtliche Läden durch gerockt sind. Aber was sollen wir dann machen? Von daher haben wir uns überlegt, die Band wie eine Firma aufzubauen. Mit Controlling, Konzepten und Strategien. Wir haben uns kurz-, mittel und langfristige Ziele gesetzt.
 
0381-MAGAZIN: Euer Bandkollege und Produzent Sebastian "Sebi" Hackert schied 2009 völlig unerwartet aus dem Leben. Wie habt ihr das verkraftet?
Tino Turner: Man kann viel verdrängen, aber wenn der Tod in dein persönliches Umfeld reinklatscht, kannst du dich dem nicht entziehen. Dieses Gefühl nimmst du immer mit.

OLAF NEUMANN


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