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Sport

Die Trainerlegende von nebenan

Die Trainerlegende von nebenan

Jul 13

Man muss mit Superlativen aufpassen, aber es ist wie es ist: Peter Sager ist eine Trainerlegende – nicht nur für den Rostocker Radsportkenner. Fahrer wie Jan Ullrich und André Greipel hat er zu großartigen Sportlern geformt. Heute lässt er es ruhiger angehen und blickt mit uns zurück auf seine erfolgreiche Trainerlaufbahn.

Es ist Dienstag, fünf Tage vor dem Start der 100. Auflage des größten und wichtigsten Radrennens der Welt: Der Tour de France! Wer hier mitfährt, mitfahren darf, der hat es geschafft. Den langen Weg vom kleinen ambitionierten und talentierten Knirps hin zum Profi. Dahinter stecken Jahre des Trainings, unzählige Stunden der Mühe und Qualen, der Entbehrungen – vor allem der Freizeit und des Familienlebens! André Greipel sitzt am Flughafen, die Koffer sind gepackt, es geht nach Korsika: Tourauftakt. Er gehört zu erlauchten Kreis der Profis, den Besten der Besten. Er hat es geschafft. Unglaubliche drei Etappensiege konnte er im Jahr 2012 für sich verbuchen. Auch hinter der Erfolgsgeschichte des gebürtigen Rostockers steckt ein langer Weg, und ein Name, mit dem alles begann: Peter Sager.
Radrennbahn in Rostock, Frühsommer: Eine Handvoll kleiner Spunte steht im Halbkreis vor dem Trainer. Der nimmt erbarmungslos die Zeiten, feuert an, korrigiert die Fahrtechniken. Seine Autorität ist spürbar. Nur wer bei der Zeitnahme im von ihm vorgegebenen Limit bleibt, darf beim nächsten Training wiederkommen. Das war seit jeher sein Maßgabe. Peter Sager hat schon immer nach den Besten gesucht. Nach den ungeschliffenen Diamanten. Auch wenn das hart klingen mag, sein Erfolg gibt ihm Recht. Fahrer wie Jan Ullrich, Paul Martens, Robert Wagner, Paul Voss, André Korff, Eric Baumann und viele weitere hat er ausgebildet, groß gemacht, den Grundstein gelegt für deren Profikarrieren. Und diese ist eben nicht jedem vorbehalten. "Jeder kleine Bursche braucht auch mal ein Erfolgserlebnis. Ständig ne Klatsche zu bekommen macht ja auch keinen Spaß. Ich habe dann immer gesagt: Ist vielleicht doch nicht deine Sportart, Junge". Einer dieser "abgewiesenen" Radfahrer berichtet mir von seiner ersten Trainingseinheit beim großen Meister: "Der hat mich angeguckt, gesagt du bist zu klein und das war dann meine Radsportkarriere" So schnell kann das gehen.
Für Sager steht bei der Ausbildung ein mittlerweile vernachlässigter Trainingsaspekt im Vordergrund – die Athletik. "Wenn sich ein Kind bei mir gemeldet hat, dann wurde zunächst kein Rad gefahren, das war erst der zweite Schritt. Da wurde zum Beispiel zuerst geschaut, wie gut ist er zum Beispiel beim Schlusssprung." Einen ganz großen des Radsports hätte er dabei fast an die Leichtathletik verloren. "Zu DDR-Zeiten gab es in den Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) zentrale, landesweite Überprüfungen. Jan Ullrich hatte damals diese Überprüfung gewonnen, und das durch die besten Zeit bei einem 3000-Meter Lauf. Sager blickt lächelnd zurück: "Die Leichtathletiktrainer meinten schon: Sager, bist du bescheuert, der kann doch nicht Radsportler werden, der muss Leichtathlet werden."
So zurück blickend, die damalige Zeit mit der heutigen vergleichend, scheint die sportliche Arbeit schwerer geworden zu sein. "Damals hat man auch alles bekommen" erklärt Sager. Heute müssen Trainer, sofern es sie denn noch gibt, oder Eltern die Privatautos stellen um von A nach B zu kommen. "Früher hat der Trainer alle mitgenommen, ist tausende Kilometer gefahren. Heute müssen das die Eltern tragen. Wer dann mal nicht Berlin oder Köln fahren will, oder kann, dann fällt das Rennen halt aus", sagt er, offensichtlich enttäuscht über die Entwicklung und die Unterfinanzierung der letzten Jahre. "Wenn unsere Gesellschaft es nicht hinbekommt in den Vereinen wieder Trainer zu installieren, die sich den ganzen Tag mit den Kindern beschäftigen, davon auch ihre Familie ernähren können. dann ist irgendwann Schluss. Dann braucht man auch irgendwann keinen Landestrainer, oder Bundestrainer mehr. Die warten ja auf Talente, aber da kommt dann irgendwann oben nichts mehr an."
Damals, zu den golden Zeiten des Sports, als dieser noch Aushängeschild, auch auf der außenpolitischen Bühne war, hatte man es leichter. "Zu DDR-Zeiten hatten wir das vielleicht beste Trainingssystem, was ja auch von Ländern wie Australien, Frankreich Italien oder Dänemark übernommen wurde." Die wissenschaftlich erarbeiteten Trainingspläne wurden den Trainern in Form von Handbüchern mitgegeben, im Grunde galt es diese nur umzusetzen. Die Bedeutung des Trainingssystems im Radsport in der DDR wurde dann nach der Wende deutlich. Ein hoher Funktionär hatte sich damals Richtung Westen abgesetzt, inklusive aller Unterlagen über die Trainingspraktiken. Das nach der Wende verabschiedete bundesweite Trainingsprogramm war dann im Grunde war es eins zu eins das Gleiche – nur Deckblatt und Unterschrift waren eine andere. Copy&Paste: Von Siegern siegen lernen!
Das goldene Zeitalter ist aber längst den Erzählungen von damals gewichen. Was Peter Sager bleibt ist ein gewisses Maß an Enttäuschung über die Unterfinanzierung seines Sports, aber auch der Stolz über das Vollbrachte, das Lebenswerk. Immerhin: Rostock war zu DDR-Zeiten und auch noch kurze Zeit danach Spitze im Nachwuchsbereich. Viele der weiterdelegierten Talente haben sportliche Erfolge feiern können. Allerdings ist der Sprung in das Profigeschäft auch kein Leichter. "Irgendwann brauchst du vielleicht auch mal einen, der dir die Tür aufmacht", erklärt Sager. "André Greipel war in der U23 der schnellste Fahrer in Deutschland, aber noch kein Profi. Ich hatte dann Olaf Ludwig, der damals noch beim Team Telekom fuhr, gefragt, warum der denn nicht genommen wird. Zwei Wochen später kam der Anruf, André fuhr zum Check-Up nach Freiburg und wurde Profi." So schnell kann es dann doch gehen. Aber auch die Tatsache, dass aus seinen Sportlern etwas geworden ist, sei es die berufliche Karriere, oder die Persönlichkeit. "Da hat der Sport sicher auch seinen Beitrag geleistet, dafür gesorgt, dass du mit den Füßen auf die Erde kommst. Aspekte wie Zielstrebigkeit, Ausdauer und Teamgeist sind nicht nur im Sport wichtig, sondern bringen dich auch privat voran".
Zu seinem 70-jährigen kamen sie dann alle zusammen, die Größen des Radsports, ehemalige Weggefährten und auch der, der sich aktuell in Frankreich quält. Für André Greipel ist Peter Sager ein zweiter Vater geworden. Mit 10 Jahren, an einem kühlen Oktobertag hat er bei ihm sein erstes Training absolviert. Er musste laufen gehen, nicht Radfahren, sondern allgemeines Athletiktraining stand auf dem Programm. Er kann sich noch an dessen autoritäre Art erinnern: "Er war und ist sicher immer noch eine Respektsperson für die Kleinen". Greipel beschreibt Sager als bescheidenen und bodenständigen Menschen. Über die Jahre und die gemeinsame Zeit hat sich zwischen den beiden ein inniges Verhältnis entwickelt. "Er hat gewiss einen großen Anteil an meinem heutigen Erfolg", sagt Greipel. "Letztlich muss man aber auch seiner Familie Dankbarkeit und Respekt zollen. Das ganze Training, die ganzen Wochenenden, das ist Zeit, welche die Familie nicht wiederbekommt".
Im Flur von Peter Sager hängen sie, die Reliquien und vielleicht auch die Rechtfertigung für die investierte Zeit – unter anderem das Gelbe Trikot von Jan Ullrich. Im Vergleich zu den großen Erfolgen von damals ist sein heutiges Wirken vielleicht sogar noch höher zu bewerten. Jeden Donnerstag, 16.00Uhr trainiert er die Kleinen auf der Bahn. "Ich freue mich wenn ich meine Erfahrung noch ein wenig einbringen kann", sagt er und hofft vielleicht im Stillen auf den nächsten Rohdiamanten.

PAUL FLEISCHER


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