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Andrea Schürgut – Rituale, die zu uns passen

Andrea Schürgut – Rituale, die zu uns passen

Jul 15
Ordentlich sieht es in der Werkstatt von Andrea Schürgut nicht aus. Überall in ihrer Werkstatt am Fischerbruch stehen Dinge rum, die Pinnwände sind voller Visitenkarten, Skizzen, Zettelchen. Irgendwo brummt ein alter Rechner vor sich hin, beleidigt, weil er so wenig benutzt wird. "Das ist eben meine Ordnung", sagt Andrea Schürgut lachend. "Ich finde alles wieder."

Sie lacht überhaupt sehr viel. Das kontrastiert mit den Grabsteinen, auf denen Lebensdaten stehen. Von. Bis. Und mit den Urnen im Regal. Freundliche Urnen. Hell. Tröstend. Aber eben Urnen.
Andrea Schürgut findet es auch ein wenig seltsam, dass diese Urnen über die Jahre so  etwas wie ihr Markenzeichen geworden sind. "Ich werde manchmal angesprochen: Sind sie die mit den Urnen? Ich nicke dann freundlich." Grabsteine, Seelentürme, Seelenboote – all das fertigt sie meistens nicht alleine. Sondern mit Menschen, die trauern. Mit diese Workshops holt sich die ausgebildete Trauerbegleiterin Andrea Schürgut aber nicht nur die Trauer in die Werkstatt. "Natürlich fließen hier die Tränen. Hier gehören sie auch her", sagt sie. "Aber die gemeinsame Arbeit hilft sehr." Heute haben viel den Bezug zu den alten Ritualen verloren. In der Lähmung des Verlustes empfinden sie es als hilfreich, wenn sie nur aus einem Katalog wählen müssen: Sarg, Urne, Stein. Immer mehr Leute empfinden das aber als zu wenig. Trauerarbeit sagt sich so hin. Bei Andrea Schürgut hat dieses Wort eine seht ursprüngliche Bedeutung. Große Platten des weißen, mageren Tons aus dem Westerwald werden zu Grabsteinen gefügt, persönliche Erinnerungen, Klang-Elemente, ungewöhnliche Farben, besondere Zitate – für alles ist im Ton Platz, nach dem Brennen ist es festgefügt und heiter. "Das sind besondere Tage, auch für mich", sagt Andrea Schürgut. "Viele sind überrascht von den Stücken, sie hätten sich selbst diese Kreativität nicht zugetraut." Es saßen auch schon Leute bei ihr, die ihre eigene Urne gestalteten, die ihre Trauer um den eigenen bevorstehenden Tod im besten Sinne des Wortes verarbeiteten. Alles Unikate. Wie auch das eigene Leben ein Unikat ist.
Andrea Schürgut wuchs in der Lausitz auf, zwischen den Tagebauen. Dresden, Berlin, Wismar und Heiligendamm waren  Stationen ihrer Arbeit und des Studiums, bis sie 2002 ein offenes Atelier in Bad Doberan eröffnete. 2008 kam sie nach Rostock, fand ihre Werkstatt im "Überschwemmungsgebiet" am Fischerbruch und schloss eine Ausbildung zum Trauerbegleiter an. Bei der IGA im Jahre 2003 fiel ihre Arbeit auf dem "Friedhof" vielen auf: Ein Turm mit Fächern – und der Aufschrift aus einem Text von Silly: "Gib mit Asyl, hier im Paradies. Nur den Moment, um mich auszuruhen." Seitdem ist sie "die mit den schönen Grabsteinen und den Urnen."
Für sich selbst muss Andrea Schürgut etwas anderes tun. Die Stücke in ihrer persönlichen Galerie sind heiter, nachdenklich und verspielt. Wie auch ihre kleinen Stühle, die eigentlich Menschen sind, Charaktere. Andrea Schürgut erzählt von zwei sehr verschiedenen Familienfeiern. "Auf der einen Feier ging es eher proletarisch zu, auf der anderen intellektuell", erzählt sie. "Und ich saß dazwischen, beobachtete die Leute und dachte: Wie unterschiedlich können Menschen eigentlich sein?" Da sei ihr die Idee mit den Stühlen gekommen: Von akkurat bis Hippie, von geldgeil bis depressiv, von aufgetakelt bis dezent, von stocknüchtern bis ordentlich einen im Tee. Immer ist es ein heiterer Blick, den Andrea Schürgut auf ihre Mitmenschen wirft und zu manchen Stühlen fallen den Betrachtern sofort Namen ein. Diese Typen gibt es wirklich: Der da hat nur Geld im Kopf, der andere mit einem Hut aus einem Bierflaschenverschluss und die könnte ein richtiges Flittchen sein. Andrea Schürgut ist für ihre kleinen Installationen immer auf der Suche nach Dingen, die sie verarbeiten kann: Perlen, Muscheln, Stifte, Draht … Das Innenleben einer alten Damenhandtasche wird zur Falle, die Sicherungen gehören zu einem kleinen Bunker, der auch ein Gefängnis sein könnte. Eigentlich ein erstes Thema, sollte man meinen. Aber das Spiel, das Andrea Schürgut hier spielt, mit diesem hellen Ton und mit all diesen Erinnerungsstücken, das lässt die Betrachter lächeln. Andrea Schürgut lächelt mit. Allein die Reflektion hilft, sich selbst nicht mehr so wichtig und schwer zu nehmen: Das Leben geht weiter. Bis, ja bis – es eben nicht mehr weiter geht. Dann braucht man Hilfe, Heilung, Trost. "Ob die Rituale nun von irgendjemandem vorgeschrieben sind oder nicht – wir brauchen das doch", sagt Andrea Schürgut. "Wir machen uns die Rituale, sie zu uns passen."
Dann kramt Andrea Schürgut ihr Gesellenstück doch nochmal raus: Ein Rumtopf, brauner Ton, glasiert, mit folkloristischen Blumenornamenten, mit den passenden Bechern. Sie lacht heute darüber: "War halt angesagt damals in den 80ern", sagt sie und packt alles wieder inZeitungspapier. Fast dreißig Jahre ist das jetzt her. "Das kommt auf den Trödelmarkt", sagt sie fröhlich. "Ich bin doch jetzt ganz woanders."

FRANK SCHLÖSSER

www.feuermale-schuergut.de

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