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Tobias Wartenberg – "Ich bin ein Zarter"

Tobias Wartenberg – "Ich bin ein Zarter"

Sep 15
Diese Kretins, die nachts grölend Mülltonnen umschmeißen. Diese Gehwege, die für alte Leute mit Rollatoren kaum zu erklimmen sind. Diese Glocken der Heiligen-Geist-Kirche, die selbst einen Glockenliebhaber wie ihn am Wochenende so gnadenlos protestantisch aus dem Schlaf reißen – mehrmals!

"Klar, das sind nur Äußerlichkeiten", sagt Tobias Wartenberg. "Aber sie bilden natürlich etwas ab." Er meint diese Stadt, die sich selbst genug zu sein scheint und einen Dinosaurierpark am Warnowufer als große Attraktion bestaunt. Diese Stadt, in deren Theater er seit einem Jahr als Chefausstatter und Bühnenbildner arbeitet, und in der manch einer mit verkniffenem Gesicht herumläuft, als wollte er sagen: "Wenn du gute Laune willst, dann hau doch ab nach Warnemünde."
Tobias Wartenberg sitzt am Nachmittag auf der Bank vor seinem Lieblingslokal in der Sonne und bestellt noch einen Weißwein. Jan, der Wirt der Fritz-Reuter-Stube, deutet freundlich auf ein anderes leeres Glas. "Nein danke, Calvados nicht mehr." Wartenberg kann sich gerade solchen Müßiggang leisten, denn er hat neue Pläne für den Theatervorplatz zum 2. Stapellauf "Toleranz" abgeliefert. In der Theaterwerkstatt hat er gesehen, dass seine Entwürfe aufgegangen sind – die Fahnen, die Taube und der "Jahrmarkt der Toleranz".
Wie das alles beim Publikum ankommt, interessiert ihn jetzt noch nicht. Er zieht seine Anregungen und die Kraft für seine künstlerische Arbeit aus sich. Zeit für Gespräche mit kreativen Partnern finden aus Not selten statt. Es ist nicht leicht, zum Glückspunkt zu kommen, an den Moment, wo der Bauch sagt: "Wartenberg, du alter Sack: Das ist es. Du hast es gefunden."
 "Diese Höhepunkte brauche ich", sagt der Künstler. "Danach bin ich süchtig." Was dann kommt, ist zweitrangig.
Erfolg und Kritik helfen auch nicht weiter. "Es ist unerheblich, wie lange du diesen Job schon machst", sagt Wartenberg. "Ich fange immer wieder von vorn an." Wie alle anderen beteiligten Künstler muss auch er durch all die Fragen, Ängste und Zweifel, bis er den Faden in die Hand bekommt, an dem endlich eine Idee zappelt. Manchmal reißt sie sich los und platsch – ist sie wieder weg. "Manchmal holst du sie ins Boot – und dann ist sie zu klein und du musst sie wieder reinschmeißen", sagt er. "Aber irgendwann hast du vielleicht den Butt im Boot. Da fängt es an, Spaß zu machen." Natürlich freut er sich, wenn es den anderen schmeckt. Aber der Punkt, auf den es ihm ankommt, der ist vor dem Essen schon vorbei.
Als Tobias Wartenberg 1953 in Düsseldorf geboren wird, hat er einen Vater, der lieber ein freier Künstler gewesen wäre, aber Kunsterzieher sein musste. "Das macht auf Dauer depressiv", sagt Tobias Wartenberg und erzählt, wie er nach einer schrecklichen Schulzeit mit zweimal Sitzenbleiben, nach einem Doch-noch-Abitur in Bonn, einem sehr guten und wichtigen Zivildienst im Altenpflegeheim und einer schnell gescheiterten Ehe endlich auf der Couch eines Therapeuten lag und sich fragen lassen musste, was jetzt aus ihm werden soll. "Kunstlehrer – hab ich gesagt. Dafür war ich eingeschrieben." – "Also", so sagte damals der Therapeut, "auf dem Pfad weiter, den ihr Vater vorgetrampelt hat? In jene Richtung, die sie schon als Kind gequält hat?"
"Da gingen mir die Augen auf", sagt Tobias Wartenberg. "Ich bog ins Gebüsch ein. Suchte meinen Weg selbst." Sein Mentor wurde die Bühnenbildner-Legende Karl Kneidl an der Kunstakademie Düsseldorf, in deren Ateliers in Saus und Braus gefeiert und hart gearbeitet wurde.
Festanstellungen, freie Arbeiten und Arbeitslosigkeit führten Wartenberg durch die ganze Bundesrepublik, nach dem Mauerfall landete er am Theater Rudolstadt und traf in Dortmund schließlich  Sewan Latchinian– irgendwann Ende der 90er Jahre an einem Nachmittag im Biergarten. "Seitdem arbeiten wir zusammen. Seit 1997 in Neuss, dann ab 2004 zehn Jahre lang in Senftenberg." Wartenberg nippt am Wein und resümiert: "Freunde sind wir nicht geworden. Aber produktive Gespräche bekommen wir gut hin." Verletzungen blieben nicht aus. "Ich bin ja ein Zarter", sagt er. Bis heute ist der Weg steinig. "Ich hab keine Ahnung, woher der Wahn kommt, dass Künstler irgendwie glücklicher wären. Für mich ist das Leben meistens eine Qual, mit ein paar glücklichen Momenten."
Jetzt eben Rostock. Die Stadt, in der man den Theaterleuten zeigt, wie sie überflüssig sind. Die knappes Geld und viel Ignoranz für ihr Theater übrig hat. "Kein Grund, nicht weiterzuarbeiten", sagt Tobias Wartenberg. "Ich werde Bühnenbilder und Kostüme machen, bis ich tot umfalle, ob nun in Rostock oder anderswo." Aber bitterer sei er in diesem einen Jahr Rostock schon geworden, vor allem, weil sich hier über Jahrzehnte hinweg die Resignation tief ins Volkstheater eingefressen hat: Die Kollegen planen immer schon mit, was alles nicht gehen könnte. "Diese schon vorher mitgedachten Bedenken engen ein. Wir kamen als kreative Truppe hierher", sagt er. "Mittlerweile sind wir dabei, uns im Kleinkrieg gegen Polit-Apparate und Papier-Bestimmungen, um freizuhaltende Fluchtwege und nicht vorhandenes Geld, um zu Tode verwaltete Farbkopierer der Verwaltung, Kartenverkaufszahlen und angeblich fehlendes Publikum fertig zu machen." Tobias Wartenberg trinkt einen Schluck: "Ich meine nicht die Leute, die ohnehin ins Theater kommen. Ich meine: die, die glauben, Theater nicht zu brauchen. Es ist ja nicht so, dass diese Stadt dieses Volkstheater nicht dringend nötig hätte. Aber ich seh‘ ganz klar: Die Mehrheit der Politik treibt uns schnurstracks in Richtung Bespieltheater: Da gibt es noch einen Schlüsseldienst, ein paar Techniker, zwei gut bezahlte Managerposten – und das war‘s. Wenn die Mehrzahl der Rostocker das sehen will, haben Publikum und Stadt es nicht anders verdient."
Er würde sich freuen, wenn er sich irrte. Kann auch sein, dass er nochmal sein Puppentheater aus dem Keller kramt, das er gebaut hat, als er mal arbeitslos war. "Obszönes Puppentheater. Josefine Mutzenbacher mit Puppen. Das war die Idee." Tobias Wartenberg bekommt Lachfalten um die Augen. Er trinkt den Wein aus. "Vielleicht mach ich das ja noch. Aber wahrscheinlich kaum in Rostock."

Frank Schlößer

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