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DIE ALTEN UND DIE NEUEN  GOLDENEN JAHRE

DIE ALTEN UND DIE NEUEN GOLDENEN JAHRE

Apr 10

Der 60. Geburtstag des Fischkombinats Rostock – da könnte man auf Anhieb denken "Na und?". Fragt man dann mal im Freundes- und Bekanntenkreis rum, erfährt man, dass mindestens jeder zweite Rostocker irgendein Verwandtschaftsverhältnis mit Verbindung oder aber einen persönlichen Bezug zum Fischkombinat hat.

Schnell stellt sich heraus, dass der Rostocker Fangbetrieb gemeinsam mit den beiden Werften, dem Überseehafen und dem DMR zu DDR-Zeiten der bedeutendste Volkseigene Betrieb in Rostock war. Kurzum, das Fischkombinat war mal was! Aber wie kam es dazu und was ist draus geworden? Selbstverständlich ist Fischerei in Rostock nicht erst seit 1950 ein Thema.
Schon knapp 700 Jahre früher, genau 1252, erhielt Rostock das Fischereirecht verliehen. Die Hansestadt ist seitdem Inhaberin des Fischereirechts von der Unterwarnow am Unterhaupt der Schifffahrtsschleuse sowie des Wehres am Mühlendamm bis zur Höhe der Verbindungslinie Nordkante der Insel Pagenwerder bis zur Westseite Warnowufer, sowie  an Breitling und Radel (Moorgraben und Radelsee) bis zur Feldgrenze Markgrafenheide. Bis heute. Lange Zeit trieben sich die Fischer vor allem hier und in der küstennahen Ostsee herum.
1586 gingen die ersten Rostocker beurkundet vor Norwegen auf Heringsfang.  300 Jahre später startet die Reederei Pust von Rostock aus den Heringsfang in der Nordsee.
Nach dem 1. Weltkrieg wird die Rostocker Hochseefischerei AG gegründet. Diese agierte wohl ziemlich erfolglos, da sie schon 1921 wieder liquidiert wurde.
Im Grunde kann man resümieren: Ja, Fischfang wurde von Rostock aus betrieben, allerdings auf bescheidenem Niveau. Zur Verdeutlichung: von den 1938 in Deutschland angelandeten 686.240 Tonnen Fisch, wurden nur 12.000 Tonnen, das sind zwei Prozent, im Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern  gefangen. Das Ende des 2. Weltkrieges brachte Veränderungen auf vielerlei Gebieten mit sich. Die geopolitischen hatten auch erhebliche Auswirkungen für den Fischereistandort Rostock. Dieser sollte nun nämlich an Bedeutung gewinnen. Von der sowjetischen Militärverwaltung erging am 11. Januar das 11. Gebot, nämlich der Befehl, "... den Fischern die Pflichtaufgabe aus ihren Fischfängen für die Versorgung der deutschen Bevölkerung und der Roten Armee gemäß bestätigten Plänen aufzuerlegen." Diese sperrige Formulierung war nichts anderes als die Aufforderung zur Selbsthilfe und so wurde der Grundstein für die Wiederaufnahme der Küstenfischerei an der Ostsee gelegt. Die Fänge der Küstenfischer reichten aber längst nicht aus, den Bedarf der Bevölkerung an Fisch zu decken. Der Aufbau einer "volkseigenen" Hochseefischereiflotte wurde als wirtschaftliche und politische Notwendigkeit erachtet. Ende 1949 schlug der Rat der Stadt Rostock das Gelände der ehemaligen Heinkel-Werke in Marienehe als Standort für einen Hochseefischereibetrieb vor. Als am 19. April ein Logger, den man auch als Heringsdampfer bezeichnen kann, mit dem prosaischen Namen ROS 101 "Heinrich Mann" in Sassnitz in Dienst gestellt wird, ist dies die Geburtsstunde der DDR-Hochseefischerei. Der Standort Rostock kam drei Monate später wieder ins Spiel, als ROS 101 und ROS 114 erstmals eine Ladung in Bramow löschen und so das Gründungsdatum für den hiesigen Betrieb markieren. Ein Anfang war gemacht. Nun galt es, eine Infrastruktur für einen leistungsfähigen Betrieb zu schaffen. Bis 1952 konnte das gesamte Hafenbecken mit der dazugehörigen Kaianlage in Betrieb genommen werden. Zahlreiche Fischhallen, Werkstätten, Versorgungslager, ein großer Eisbetrieb, eine Fischmehlfabrik und andere Verarbeitungsstätten wurden eingerichtet. Das Gelände bekam ein markantes Gesicht.
Die Anschaffung von Großschiffen erforderte den Bau eines größeren Fischereihafens. Deshalb wurde 1956 mit dem Bau einer neuen Kaianlage begonnen. Mit der Infrastruktur wuchs schnell die Flotte und auch die Fanggebiete wurden ausgeweitet. So fuhr schon im Dezember 1950 Loggerkapitän Knief als erster Kapitän der Rostocker Hochseefischerei in die Barentssee, fünf weitere Logger folgten. Bald darauf tauchten Schiffe mit dem ROS-Kürzel auch vor Island auf. Im Laufe der Jahrzehnte eroberten die Rostocker Logger und Trawler alle Weltmeere, doch die skurrilen sozialistischen Namensgebungen z.B. "Junger Pionier" und "Neues Deutschland" forderten auch manchen Tribut. Als Logger ROS 117 "Oktoberrevolution" Le Havre anlaufen wollte, forderte der dortige Hafenkapitän die Abdeckung des Namens, was natürlich von der Besatzung pflichtbewusst – man war schließlich Bürger eines zwar jungen, aber souveränen Staates – zurückgewiesen wurde. So erhielt die "Oktoberrevolution" keinen Liegeplatz und verließ Le Havre.
Doch viel mehr als als Botschafter der sozialistischen Idee, verstanden sich die Besatzungen als Mitverantwortliche für die Versorgung der heimischen Bevölkerung und nahmen zahlreiche Strapazen und Entbehrungen auf sich, um diesen Auftrag zu erfüllen. Natürlich war der neu geschaffene Beruf des Hochseefischers für zahlreiche junge Menschen ein Traumberuf, schließlich gab es außerhalb der Flotten kaum Möglichkeiten in so exotische Gegenden wie den Pazifik, den Indischen Ozean oder Alaska zu kommen. Doch von See-Romantik war der Alltag der Fischer soweit entfernt wie die DDR von McDonalds und Coca Cola. Nicht der Besuch fremder Länder und das Kennenlernen exotischer Kulturen waren an der Tagesordnung, sondern Knochenarbeit, nicht selten unter extrem Bedingungen. Denn die DDR-Hochseefischerei-Flotte fischte sehr bald nicht nur im Atlantik. Fanggebiete wie der Nord- und Südostpazifik wurden ebenso angesteuert wie Cap Blanc vor Nordwest-Afrika, Walfisch Bay vor Namibi, Mosambik, der Patagonische Schelf und das Südpolarmeer. Die "Extremisten" unter den Besatzungen waren diejenigen der ROS 311 "Rudolf Leonhard", die westlicher und östlicher fischten, als jedes andere DDR-Fischerei-Schiff und die der  "Ernst Haeckel" und der "Werner Kube", die sich jeweils am weitesten in die Nähe der beiden Pole wagten.
Politische und wirtschaftliche Veränderungen machten das Beschreiten neuer Wege vonnöten. So wurden der Austausch der Besatzungen ohne das Verlassen des Fanggebietes und die Übernahme von Fängen durch moderne Kühl- und Transportschiffe schnell selbstverständlich. Ungewöhnlicher waren da schon Kooperationen mit ausländischen, kapitalistischen Firmen und Gesellschaften.
Die Neuordnung des Seerechts und die Ausweitung der hoheitlichen Fischereizonen auf 200 Seemeilen vor der eigenen Küste durch zahlreiche Länder, machten Firmen-Konglomerate wie PIMARDA (Peches Industrielles Maroc Républic Démocratique Allende) und GALAPESCA in Argentinien notwendig. Innerhalb dieser fuhren Rostocker Schiffe und auch Seeleute unter fremder Flagge. So wurde zum Beispiel für den Supertrawler "Hans Marchwitza" kurzzeitig Buenos Aires zum Heimathafen. Dies geschah im Jahr 1988 und schon kurze Zeit später war die Herrlichkeit der DDR – und damit auch der Rostocker Hochseefischerei – zu Ende.
Die Wende kam und der Hauptauftraggeber und Geldgeber des Fischfangs zwischen Wismar und Wolgast, die DDR, war nicht mehr existent. Fehlender politischer Wille und auch EU-Auflagen verhinderten, dass die Fangquoten der beiden deutschen Staaten summiert wurden. So brach die Existenzgrundlage der DDR-Hochseefischerei zusammen. Große Teile der Flotte wurden verkauft oder verschrottet. Der ehemals staatliche Fischereikonzern wurde zerschlagen und ging nur teilweise in neuen mittelständischen Unternehmen auf. Ein Großteil der einst 7.000 Arbeitsplätze auf See und an Land ging verloren. Der DDR-Fischfang wurde nach etwa 8.000.000 Tonnen gefangenem Fisch ohne Abgesang zu Grabe getragen.
Der Wirtschaftszweig Fischerei in Rostock wurde von nun an privatwirtschaftlich betrieben. Der Standort Fischereihafen wurde nach der Wende grundlegend umstrukturiert und neuen modernen Anforderungen angepasst. In den letzten 20 Jahren siedelten sich zahlreiche Firmen hier neu an. Heute kann man sagen, dass die Fischbranche und der Fischereihafen ihren Platz in Rostock gefunden haben und wieder wichtige Faktoren für die Wirtschaft der Hansestadt sind.
Am 24. April finden Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung des Fischkombinats und des Fischereihafens statt (siehe Seite 21).

 


Christian Rutsatz

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