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KINO

Mit Nazis reden?

Mit Nazis reden?

Apr 17
„Dialoge” von Carmen Blazejewski Im Mai auch im Li.Wu.

„Das geht gar nicht.” Freds* Meinung über den Film „Dialoge” steht fest. „Der Typ hat sich selbst außerhalb des demokratischen Konsens gestellt, der in diesem Land herrscht. Jetzt kann er hier seine Parolen verbreiten? Vom Bürgerkrieg quatschen? Seine Tattoos herzeigen?” Er schüttelt den Kopf. „Die stellen sich in eine Linie mit denen, die in Deutschland die Demokratie plattgemacht, den Krieg begonnen und Millionen Menschen ermordet haben. Solche Leute toleriert man nicht.”

Die Filmemacherin und Autorin Carmen Blazejewski stellt „dem Typen“ die Frage „Du würdest dich selbst nicht als Nazi bezeichnen?“. Michael Ebach hat bei seiner Antwort Trotz in der Stimme: „Ich bin doch ein Opfer der Gesellschaft. Wenn die mich als Nazi hinstellen, dann bin ich das. Und dann mach ich das.“
Neben Michael Ebach sitzen Birgit und Horst Lohmeyer. Das Hamburger Künstlerehepaar lebt seit 2004 auf dem Forsthof des „Dorfes“ Jamel, umgeben von Rechtsextremen. Michael Ebach wohnt zwar nicht in Jamel, aber er gehört zu dieser bekennenden rechtsextremen Szene. Die Lohmeyers veranstalten jeden Sommer mit viel Aufwand das Festival „Jamel rockt den Förster“ als lautes Zeichen gegen Rechtsextremismus. Sie machen international Schlagzeilen und spätestens als im August 2015 die Scheune neben ihrem Wohnhaus nach einem Anschlag niederbrennt, ist klar, dass allein das „Nichtwegziehen“ aus dem Nazidorf ein Akt des Widerstandes ist. Ein Dialog mit diesen Nachbarn sei natürlich nicht möglich, sagt Birgit Lohmeyer. Und jetzt hören sie dennoch Michael Ebach zu?
Nein. Carmen Blazejewski hat diesen „Dialog“ mit technischen Mitteln erzwungen: Sie hat die Lohmeyers und Michael Ebach unabhängig voneinander interviewt, die Bilder stehen im Splitscreen nebeneinander und manchmal scheint es, als würden sich beide Parteien gegenseitig kommentieren. Das sorgt beim Premierenpublikum an einigen Stellen in Wismar für Heiterkeit, die wohltut. Denn eigentlich geht es über 103 Minuten hart zur Sache. Wenn beide Seiten über die Defizite der parlamentarischen Demokratie reden, über Passivität und Duckmäusertum, dann sind sich ihre Frustrationen sehr ähnlich. Mit den erstarrten Fronten, mit der Verweigerung des Dialogs, können beide Seiten derzeit scheinbar gut leben. Die Einwohner des Dorfes bleiben unter sich, pflegen ihre „freie, soziale, nationale“ Gemeinschaft und fühlen sich als Außenseiter offenbar nicht unwohl. Die Lohmeyers können sich darauf verlassen, dass die Fernsehteams positiv über ihr Engagement berichten. Und dass ihre Nachbarn zuverlässig den Dialog mit den „Systemjournalisten“ verweigern. Was natürlich wiederum ihre Aussage stützt, dass es keinen Sinn hat, miteinander reden zu wollen.
Die Meinung der Filmemacherin Carmen Blazejewski steht auf Tafeln geschrieben, die den Film in Kapitel strukturieren. Sie werben für den Dialog, sie werben dafür, sich der Meinung des anderen auszusetzen. Eine Demokratie, in der man einander nicht mehr begegnet und nicht miteinander redet, ist dabei, ihre wichtigste Stärke zu verlieren. „Wer nicht schießen will, muss reden“, ist da zu lesen – ein Zitat von Willy Brandt.
Intellektuell hat Michael Ebach den Lohmeyers in diesem inszenierten Dialog nichts entgegenzusetzen. Er widerspricht sich selbst, er redet Plattheiten und es bleibt dabei: Man möchte ihm nicht begegnen, schon gar nicht dann, wenn er mit seinen Freunden unterwegs ist. Aber dann erzählt er auch, dass er seine beiden Kinder liebt, dass er gern für die Familie kocht und wie er mit seiner Arbeit im Abbruchunternehmen versucht, Geld nach Hause zu bringen. Die Zuschauer ahnen: Es gibt Gründe dafür, dass Michael Ebach auf der anderen Seite gelandet ist. Das ist nicht nur ein Dialog zwischen Links und Rechts. Das ist auch ein Dialog zwischen oben und unten.
„Na und?“ fragt Fred. „Soll ich jetzt vielleicht auch Mitleid mit einem Nazi haben?“

*Name geändert

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