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KINO

Auf eine Zigarette mit Henning Schiele

Auf eine Zigarette mit Henning Schiele

Sep 10

Er war mal wieder im Kino, der Herr Schiele…

 

THE AMERICAN

 

Hollywood dreht jährlich 8000 Profikillerfilme, die erheblich schlechter sind als dieser hier (vgl. Wahlberg etc.).

 

Anton Corbijn habe ich seinerzeit im Fernsehen (nicht in echt) kennen gelernt als Regisseur von Propagandas Dr. Mabuse (immer noch ein toller Song!) sowie von Depeche-Mode-Videos und gedacht: „Was ist denn jetzt toll an schlechter Bildqualität?“ Ich bekam zu hören: „Dieses Grobkörnige, Alter, Mann – total geil!“

 

Als seine Videos dann auch manchmal farbig sein durften, gefiel mir das eine oder andere (U2s Berliner One; oder wenn man Coldplay-Videos ohne Ton guckt, macht man unter anderem dank Anton alles richtig, obwohl ehrlich gesagt auch Nirvanas Heart-Shaped Box leicht albern bebildert war). Und bei fast allem, was man heutzutage auf Musiksendern geboten bekommt (das wäre ein weiteres Buchprojekt), schreie ich: „Anton, komm zurück!!!“

 

Anton hat aber selbst die Schnauze voll und dreht jetzt lieber Spielfilme. Sein Erstling Control über Ian Curtis von Joy Division ist derdiedas mit Abstand mitreißendste Musiker-Biopic, dendiedas ich je gesehen habe, und ich hätte nicht gedacht, dass ich mich in Alexandra Maria Lara verlieben könnte, aber auch Sam Riley und Samantha Morton waren da richtigrichtig gut.

Aber: „Hey, wait! I’ve got a new complaint!”

 

Nun hat Anton also George Clooney, der hier Jack/Edward/Eduardo heißt, nach Italien geschickt, damit er dort in einem Abruzzen-Dorf den halben Film über irgendwelche Wummen zusammenschrauben kann. Ab und zu feuert er auch mal in Richtung einer sehr geschmackvoll oder auch gar nicht gewandeten geilen Ollen ein paar Kugeln, entweder mit dem selbst geschraubten oder mit dem anderen Gewehr [siehe Rammstein, Anm. d. Red.] – und am liebsten von hinten. Überhaupt scheint Jack nach der Hinterrückserschießung seiner schwedischen Freundin ein bisschen [...]fixiert zu sein, und Anton, der sich als Spitzenphotograph nicht lumpen lässt und in seine wunderschönen Landschaften mit den wunderschön bearbeiteten Farben mehrere wunderschöne Menschen setzt, sorgt mehrfach dafür, dass die Sonne - vierzehn Jahre nachdem sie George Clooney in seiner ersten großen Filmrolle angeblich aus dem Arsch geschienen ist – den wunderschönen Frauen knapp darunter durch dünnes Textil und durch die Beine scheint. Deshalb ist es auch nicht Herbert Grönemeyers Schuld, wenn sein Soundtrack manchmal so klingt, als würde er einen Weichzeichner-Softporno von Massimo Dallamano oder David Hamilton untermalen. Dass allerdings Tu vuò fà l’americano der diesjährige Sangría-Eimer-Hit werden würde, hat Anton sicherlich noch nicht ahnen können, als er zu diesem Song Clooney hoppermäßig einsam in einer Dorfkneipe platzierte. Aber wenn l’americano in Italia ist, sollte man schon auch Puccini aus der Schublade ziehen, und deshalb ist Clooney auch noch Mr. Butterfly und mag gern seltene Schmetterlinge. Als ein solcher darf er denn auch seine Himmelfahrt antreten, nachdem er seiner Clara, der „reinen“ und edlen Hure, sein blutiges Victory-Zeichen entgegengereckt hat.

 

Der poetologische Kniff besteht darin, dass am Ende des Films – stellvertretend für dieses gesamte Werk – ein Schuss nach hinten los und ins Auge geht.

 

Und diese dämlichen Dialoge: „I came here to get pleasure, not to give it.” Danke, das haben wir gemerkt. Ein im Profil wie Hitchcock aussehender Geistlicher radebrecht einen Schrott über Liebe, Sünde, Tod und Teufel. Und Clooney antwortet: „I don’t think, God is very interested in me, Father.”

 

And I don’t think, I’m very interested in such movies, Anton.

 

 

 

 

ICH UND ORSON WELLES

 

Richard Linklater (Before Sunrise & -set) dreht einen Film über Orson Welles’ Theaterproben zu Shakespeares Julius Caesar. So ein Film kann für Cineasten und Theaterliebhaber nur ein gefundenes Fressen sein? Hab ich gedacht!

 

Der Film könnte theoretisch erinnern an Lubitschs To Be Or Not To Be, an Branaghs In Bleak Midwinter, an Pacinos Looking for Richard, an Forsters Finding Neverland, an Altmans A Prairie Home Companion, an Weirs Dead Poets Society, an Allens Bullets over Broadway, Radio Days und Hollywood Ending (diese alle seien hiermit wärmstens empfohlen). Woran er dann tatsächlich erinnert, ist George Clooneys peinlicher Ausrutscher Leatherheads, der nämlich kein „verlockendes Spiel“ war (über verfehlte deutsche Verleihtitel könnte man auch Bücher schreiben). Dahinter scheint der Gedanke zu stehen, dass in den 30ern und 40ern ja so großartige Screwball-Komödien gedreht worden sind und dass jetzt die in den 30ern und 40ern angesiedelten Filme entweder böse Nazis behandeln oder im Deckmantel von urigem Zeitkolorit dämliches Tralala präsentieren müssen – hier ist Letzteres der Fall. Leatherheads und Me and Orson Welles wollen locker und beschwingt sein und sind bemüht und aufgesetzt. (Dass Nazi-Filme übrigens auch wirklich witzig sein können, haben Quentin Tarantino und oben erwähnter Ernst Lubitsch bravourös bewiesen.)

 

Außerdem ist Me and Orson Welles so sehr mit seiner Ausstattung und seinen Anspielungen auf historische Fakten beschäftigt, dass Plot und Charaktere verloren gehen. Immerhin scheint Drehbuchautorin Holly Gent Palmo das selbst zu wissen, denn sie lässt ihr alter Ego Gretta (mit Zoe Kazan gruselig besetzt!) im Film sagen, dass in Geschichten schließlich nicht immer etwas passieren muss. Einverstanden, aber dann braucht man gute Darsteller (da hatte Linklater weiland mit Julie Delpy und Ethan Hawke keine Sorgen)! Zac Efron bleibt ein von vorne bis hinten blasser Protagonist, Eddie Marsan bleibt als Theaterdirektor Lichtjahre hinter seinem urkomischen Happy-Go-Lucky-Auftritt zurück und sogar ein Routinier wie Claire Danes (natürlich kriegt sie ihre Romeo-und-Julia-Anspielung, ha ha) zappelt und augenrollt sich durch den Film. Aber das Schlimmste: Christian McKay mag zwar Orson Welles frappierend ähnlich sehen, ist in dieser Rolle aber bestürzend überfordert. Dann gibt es noch ein paar Kasperlefiguren (das sollen wohl die shakespeareschen Clowns sein, klappt nicht) und zwei positive Nebenrollenausnahmen: James Tupper als Joseph Cotten und Kelly Reilly als Muriel.

 

Die besten Stellen sind die, in denen Shakespeares Text zu hören ist. Aber damit man mich nicht falsch versteht: Hollywood dreht jährlich 8000 Klamaukfilme (z.B. mit Kevin James, Adam Sandler oder Tim Allen), die erheblich schlechter sind als der hier.

 

Und zu Zac Efron muss man eigentlich noch sagen, dass er sich in Zukunft mal ein Beispiel an Carey Mulligan aus Nick Hornbys und Lone Scherfigs An Education nehmen soll.

 

 

 

 

Herr Schiele (Jahrgang `77) studierte lange Zeit in Rostock, ist nun Beamter in Hamburg und außerdem Nichtraucher.


Gesine

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