Gastro
Wei(h)nNacht
Dez 21
Jedes Jahr nach 12 Monaten ist das Jahr rum und Weihnachten steht vor der Tür. Es ist wie immer, erst kommt man trotz Lebkuchen, die seit Sommer in den Regalen der Supermärkte rumlungern oder weihnachtlicher Dauerbewerbung im TV bei frühlingshafter Witterung nicht in Stimmung.
Dann aber wird man doch von der Weihnachtshektik der Anderen angesteckt, rennt auf den Weihnachtsmarkt, trinkt Glühwein, isst Pfeffernüsse und sammelt trotz anderslautender Beteuerungen – „In diesem Jahr schenken wir uns aber wirklich nichts“ – die Geschenke für die Lieben ein. Und das alles in der Hoffnung, dass die Tage zum Fest, trotz hunnenartigem Einfall der lieben Verwandtschaft besinnlich werden.
Dabei ist uns klar, dass eine gute Flasche Wein kein Verlegenheitsgeschenk ist. Und man ist ja bereit, seinen guten Spätburgunder mit jemanden, der das zu schätzen weiß, zu teilen.
Weihnachten ist natürlich nicht nur ein Fest des Friedens, sondern auch eine großartige Gelegenheit, den kenntnisreichen Genussmenschen herauszukehren und bei den Gästen mit exzellentem Weinwissen und einer gelungenen Weinauswahl zum Festtagsschmaus zu punkten. Hier gehen die Schwierigkeiten natürlich weiter. Denn welcher Wein passt zum Essen und macht allen Gästen Spaß? Den kulinarischen Mittelpunkt bildet traditionell die Gans. Diese wird mit verschiedenen Füllungen gegart. Beim klassischen Gänsebraten sind Äpfel, Backpflaumen und Maronen oft dabei. Als Gewürze haben sich Majoran, Beifuss, Thymian, Pfeffer und Petersilie etabliert. Außerdem finden sich auch Mohrrüben, Kartoffeln, Sellerie, Zwiebeln, Knoblauch und Porree in unserer Gans wieder.
Traditionell wird als Beilage Rotkohl, aber auch Grünkohl, Rosenkohl oder Wirsing gereicht. Als Sauce dient dunkler Gänsefond oder Rotweinsauce.
Ein Weißwein zum Gänsemahl sollte gehaltvoll und körperreich sein, um gegenüber der fetten Gans bestehen zu können. Hier haben sich extraktreiche Grauburgunder in trockner Spätlesequalität aus Baden oder der Pfalz bewährt. Aber auch gehaltvolle deutsche Chardonnays stehen ihren weihnachtlichen Mann. Beim Rotwein freut sich die Weihnachtsgans über Spätburgunder aus Baden von der Ahr oder aus Assmannshausen im Rheingau. Aber auch Dornfelder oder St. Laurent aus der Pfalz in Spätlesequalität machen zum Gänsebraten eine gute Figur.
Frank Schollenberger, Sommelier
/*