Musik aus MV
Leon Zeug
Apr 25
Die Wurzeln von Musiker Leon Zeug liegen in den Straßen von Rostock. Aufgewachsen in Warnemünde übt er sich schon früh mit Gesang und Gitarre. Abgeschaut hat er sich das bei seinem Bruder Luca. Mittlerweile kann der gebürtige Bremer auf ein gutes Netzwerk in Rostock blicken und geht mit einem Lachen durch die Straßen der Hansestadt.
„Ich habe mich nach unserem letzten Gespräch (0381-Magazin Januar 2018) in Dublin beim Pulse College beworben und einen Bachelor in Musikproduktion gemacht. Das erst Jahr war super, dann ging Corona los und ich war in einer fremden Stadt in einer überteuerten kleinen Wohnung.“ Geplante Auftritte konnte Songwriter nicht machen, da die Pubs geschlossen hatten. Das Studium lief nur noch mit Abstand und sein schimmliges zehn Quadratmeter Zimmer griff zudem seine Gesundheit an. „Ich habe ein Studium in einem kreativen Bereich hinter mir. Meine Erfahrung ist, dass es keine gute Idee ist, sich von irgendwelchen Leuten erzählen zu lassen, wie man kreativ sein sollte. Das limitiert mich bis heute in der Musikproduktion. Es verhindert, dass was ganz Originelles, was ganz Spezielles, was ganz Einzigartiges aufblüht. Ich glaube, das ist das, was wir doch alle wollen.“ Nach erfolgreichem Abschluss kam der Musiker zurück nach Rostock. „Ich habe dort meine Base gesehen. Ich habe geplant von der Musik leben zu können und dann in eine komplett fremde Stadt zu gehen, ist eine ziemliche Hausnummer. Ich brauchte erst mal den sicheren Hafen, um mich wieder zu erholen. Körperlich wie seelisch.“ Nachdem er so weit war, setzte er sich mit seiner Gitarre auf die Straße, begann zu singen und schaute was passiert. „Damit kam dann auch das Bunte wieder, was die drei Jahren in Dublin nur spärlich da war.“ Es folgten Auftritte und er produzierte im kompletten Alleingang sein erstes Album.
Debüt „Seeds“ erscheint 2023
Mit „Seeds“ erschien 2023 sein Debüt, das mit neun Titeln einen Teil seiner Lebenserfahrung widerspiegelt. „Es sind die Songs, die es zum Teil schon ziemlich lange gibt und da ich alles selbst mache, hat es ein bisschen länger gedauert.“ Der Titel „Great Divine“ erzählt zum Beispiel sehr persönlich in einer schönen kleinen Geschichte die Beziehung zu seiner Familie. „Es geht darum einerseits aufgeklärt zu werden, andererseits aber auch damit allein gelassen zu werden. Daraus entsteht Wachstum, das dann zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen.“ Seine letzte Single „Writing on the Wall“ (nicht auf dem Album) erschien im Oktober 2024. „Ich korreliere es mit dem Anfang des Ukrainekrieges. Tatsächlich ist es für mich ein Ventil gewesen. Diese vielen negativen Emotionen, die unterwegs waren. Ich habe sie da einfach aufgefangen und irgendwie in einen Song gefasst. Ich selbst weiß nicht, ob es dadurch greifbar wird. Er ist ein kleines Lament (klagen).“
Neben seiner Solokarriere, von der er gut leben kann, engagiert sich der Musiker auch bei der Improvisationsgruppe „Haspler“. Seit 2012 ist Leon Zeug als Musiker Teil der kreativen Gruppe und versucht seit kurzem sich immer mal wieder selbst auf die Schauspielseite zu stellen. Am 9. Mai 2025 wird er gemeinsam mit seinen elf Improkolleg*innen in der Bühne 602 auftreten. „Ich wurde damals spontan bei einem kleinen Gig gefragt, ob ich Lust habe vorbeizukommen und seitdem bin ich einfach nicht mehr weggekommen, weil es eine kleine Familie für mich geworden ist. Wir versuchen zwei bis drei größere Auftritte pro Jahr zu machen. Und es ist immer voll, immer absolut lustig und absurd und ein großes Feuerwerk der Emotionen.“
Leon Zeug – die Band
Als Songwriter auf der Bühne überzeugte Leon bis dato vorrangig allein mit Cajón, Gitarre und seiner Stimme zu folkpoppiger Musik. Ein in Vinyl gepresstes Exposé soll dazu im Sommer veröffentlicht werden. Die Aufnahme entstand im Peter Weiß Haus in Rostock unter anderem mit Peter Schade an den Reglern und dem Videografen Lauri Hasleder, der parallel ein Video dazu entstehen ließ. „Ich habe 2024 beim Landes Pop Festival einen Sonderpreis gewonnen. Der enthielt eine 200er Auflage für ein Vinylpresswerk. Das Album wird ‚Communion‘ heißen.“ Ein Werk professionell aufgenommen und umgesetzt. Ab und zu neigt Leon auf der Bühne, nach eigener Aussage, dazu viel zu reden oder, wenn er das Gefühl hat, das keine Energie im Raum ist, lauter oder intensiver zu spielen. “Wobei es, glaube ich, oftmals sinnvoll wäre, irgendwie in der Essenz des Liedes zu bleiben und sich nicht so aus dem Konzept bringen zu lassen.” Künftig will er sich diesem Gefühl nicht mehr allein stellen. Zusammen mit Sönke Brockmann (Schlagzeug), Andrea Löwl (Klavier, Akkordeon) und Timothy (Bass-Gitarre) möchte Leon als Band auf der Bühne stehen. “Wir befinden uns gerade noch in der Findungsphase und experimentieren viel herum. Wir machen ein paar Demos fertig und schauen wo es hingeht.”
ANTJE BENDA
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